Ozeanologie für Dummies – oder: Wie mein Roman entstand

Teil 1

 

Die animalischen Protagonisten von Oasis

1. Delfine

Die Delfine spüren Objekte mittels Echo-Ortung auf. In den Nasengängen werden Töne erzeugt, gebündelt und über die Melone (ein Organ in der Stirn) ausgesandt. Dieser Schall dient zur Beschaffung von Informationen über die Umgebung. Sie stoßen hohe Töne aus, von hörbaren Klicklaute bis zu Ultraschallschwingungen über 10 000 Herz (für uns Menschen längst nicht mehr hörbar). Dann lauschen die Delfine dem Echo, welches ihnen ein genaues Bild der Umgebung liefern. Wegen ihrer Fähigkeit, Beute aus großer Entfernung zu orten, folgen ihnen viele andere Tiere auf dem Weg zum Fressfest. Eine Szene wie diese gibt es in „Die Legende von Oasis.“ Die Orkusianer schwimmen für ihr Leben gerne um die Wette mit ihnen, und sie stehen ihnen an Geschwindigkeit und Anmut in nichts nach.

                                   

                       

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2. Orcas

Auch Schwertwale oder Killerwale genannt. Wir kennen diese schnuckligen Riesen aus dem Film „Free Willy“. Sie werden im Durchschnitt 50 bis 60 Jahre alt, die Weibchen können sogar bis zu 90 Jahre alt werden! Ihre Schulen bestehen aus etwa 30 Walen, aber es sind auch schon welche von 150 bis 2500 Tieren gesichtet worden. Was mich daran ebenfalls fasziniert, ist, dass das Band einer Orca-Schule für immer besteht.

Kurz nachdem Brielle eine Fischflosse gewachsen ist, gerät sie ungewollt zwischen einen Kampf zweier Orca-Wale und einem Finnwal.

                                               

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3. Buckelwale

                                                                                              

Den Namen haben diese Giganten von den Seepocken, die fast ihren gesamten Körper bedecken. Sie lieben es zu singen. Die Lieder der Männchen dauern normalerweise bis zu 20 Minuten. Man nimmt an, dass dies Liebeslieder für die Weibchen sind. Solch ein Lied kann manchmal sogar 24 Stunden lang anhalten! In „Die Legende von Oasis“ beherrschen nur die Könige und Königinnen der Unterwasserwelt diese Sprache. Diese Orkusianer können sich also mit den Walen verständigen.

 

           

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4. Pottwale

Diese Walart kann bis zu 18 Meter lang werden und 50 Tonnen wiegen. Er zieht durch alle Breitengrade und schwimmt von einem Pol zum anderen. Der Pottwal bewohnt zwei Welten: die von Luft und Licht, und die von Dunkelheit, Druck und Kälte. Die Pottwale halten eine ganze Reihe an Rekorden: Dass am tiefsten tauchenden Meeressäugetier – bis zu 3`000 Meter tief. Auch kann er von allen Walen am längsten die Luft anhalten – er kann mit nur einem Atemzug fast zwei Stunden lang tauchen.

Dann hat er das schwerste Gehirn aller Säugetiere: 9,5kg.

Obendrein können sie stolz darauf sein, den größten Schlund aller Haie zu besitzen.

 

 

           

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5. Blauwale

Die Blauwale sind bekannt dafür, die größten Tiere, die je auf der Erde gelebt haben, zu sein. Sie werden stolze 25 bis 33 Meter lang und wiegen 100 bis 140 Tonnen. Allein seine Zunge ist so schwer wie ein Elefant! Dabei isst er nur Kleintiere wie Plankton, Krebse und kleine Fische, und davon braucht er täglich eine Tonne. Leider ist diese Art Dank uns Menschen vom Aussterben bedroht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

6. Narwale

 

Auch „See-Einhorn“ genannt. Er wird bis zu 20 Fuß lang. Der Narwal hat eine Art Degen aus Elfenbeinhorn zur Waffe. Dabei handelt es sich nicht um ein Horn, sondern um den Hauptzahn, der so hart wie Stahl ist. Dieser Zahn kann eine Länge von über zwei Metern erreichen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

7. Meeresschildkröten

Sie unterscheidet sich wesentlich von der Landschildkröte. Zum Beispiel: Wegen ihrem veränderten Rückenpanzer hat sie die Fähigkeit verloren, den Kopf einzuziehen. Die Beine sind bei der Meeresschildkröte in große Paddeln umgewandelt worden, und der Panzer ist viel flacher. Sie leben in tropischen und subtropischen Gebieten und essen Krebse, Quallen und Kopffüßer (Kalmare, Schnecken etc.)

           

           

          

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

8. Pinguine

Die Pinguine leben in der Antarktis, also am Südpol. Am Nordpol sind diese Tiere nicht anzutreffen. Sie können nicht fliegen, denn was manche Leute für ihre Flügel halten mögen, sind tatsächlich Flossen, denn sie verbringen den meisten Teil ihres Lebens im Meer. Nur zum Brüten kommen sie an Land. Aber die interessanteste Frage ist doch: Wie halten sie die extreme Kälte aus? Sie haben eine etwa drei Zentimeter dicke Fettschicht, die von drei Schichten wasserdichten, dicht bepackten Federn bedeckt ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

9. Seeotter

In „Die Legende von Oasis“ trifft der Leser in Noliramis, ein Kelpwald, auf die Seeotter. Sie ernähren sich von Seetang, Muscheln, Seesterne, und am allerwichtigsten: sie essen Seeigeln, welche sich im Falle einer Überpopulation schädlich auf den Bestand der Kelpwälder auswirken würde. Diese knuddeligen Tiere haben noch zwei weitere Fähigkeiten, die mich faszinieren: Sie können Meerwasser trinken. Ihre Nieren sind so ausgestattet, dass sie das überschüssige Salz ausscheiden. Und: Die Seeotter schlafen im Wasser und winkeln sich dafür in Seetang ein, damit sie nicht abgetrieben werden.

 

           

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

10. Staatsquallen

Die Staatsquallen sind unheimlich schön anzuschauen, aber für uns Menschen äußerst giftig. Sie bilden in der Dunkelheit der Tiefsee einen starken Kontrast mit ihren gallertartigen, komplexen Spinnennetzen aus Licht. Diese Quallen sind so komplex und faszinierend, dass ich hier mehrere Seiten füllen könnte, aber ich versuche, mich kurz zu fassen: Die Tentakel können bis zu 15 Meter lang werden. Eine Qualle ist nicht nur ein Tier, sondern besteht aus einer Vielzahl Einzeltiere bzw. Polypen, wobei diese unterschiedliche Aufgaben haben: Tastsinn, Abwehrmechanismus, Fressorgan, andere dienen zum Schwimmen oder zur Fortpflanzung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

11. Portugiesische Galeere:

Als ich zum ersten Mal von dieser Art Qualle las und sie auf Bildern sah, da wusste ich: Sie muss einfach ein Teil meiner Geschichte sein! So faszinierend schön und ekelhaft zugleich! Bevor ich ins Detail gehe, zuerst das Bild, damit du eine bessere Vorstellung hast:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die violett-bläulich schimmernde, ca. 30 Zentimeter große Gasblase sorgt für den Auftrieb und hier handelt es sich nur um ein einziges Tier bzw. Polyp. Die Tentakel können bis zu 50 Meter lang werden! Auf diesen Tentakeln befinden sich bis zu 1`000 Nesselzellen pro Zentimeter, die für Fische tödliches Gift aussondern. Auch für uns Menschen können sie gefährlich sein. Bei Berührung können Schmerzen, Entzündungen, Atembeschwerden, Atemstillstand oder Herzstillstand die Folge sein. Also bloß die Hände davon lassen, wenn du eine gestrandete portugiesische Galeere findest! Und wie diese Qualle isst, erfährst du im Buch ;-)

 

 

12. Pelikanaal

In etwa 500 bis 7500 Meter Tiefe begegnet Brielle einem Pelikanaal. Dieser Fisch ist 60-100cm lang und besteht fast nur aus Maul und Schwanz, am Schwanzende sitzt ein Leuchtorgan. Er ernährt sich von Detrius, auch Meeresschnee genannt. Das ist der langsam sinkende, organische Abfall der Oberfläche. Der Pelikanaal kann dank dem Riesenmal Beute verschlingen, die größer als er selbst ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

13. Tiefseeanglerfisch

Auch die Tiefseeanglerfische können Beute schnappen, die drei Mal so lang ist wie sie selbst. Manche Angler sind glatt, andere stachelig, samtschwarz und abgrundtief hässlich. Beim Anglerweibchen ist der erste Dorn der Rückenflosse zu einer Angelrute mit leuchtendem Köder an der Spitze umgewandelt. Das Männchen, das viel kleiner ist, beißt sich wie ein Parasit am Weibchen fest und so gehen sie eine symbiotische Beziehung ein, die so lange anhält, bis das Männchen stirbt und abfällt.

           

Ozeanologie für Dummies – oder: wie mein Roman entstand – Teil 2

 

Schauplätze in Oasis:

 

1. Antinas – Ein tropisches Korallenriff

Ein Riff entsteht während Jahrhunderten aus den Skeletten von Steinkorallen. Sie gehen eine Symbiose mit einer einzelligen Alge ein, die Zooxanthelle. Die Polypen der Korallen und die Zooxanthelle brauchen zum Wachsen die Fotosynthese. Deswegen wachsen sie nicht tiefer als etwa fünfzig Meter. Wenn ich mir eine Koralle ansehe, dann frage ich mich: Ist das ein Tier, eine Pflanze oder bloß ein Stein? Obwohl diese emsigen Erbauer keine Arme, Beine und kein Gesicht haben, sind sie als Tiere eingestuft worden. Sie gehören zu den Nesseltieren, zu denen auch die Quallen und Seeanemone zählen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2. Xelantra – Ein Tiefwasserriff

Diese Riffe wachsen zu tief, als dass sie die Sonne als primäre Lichtquelle zum Wachstum nutzen können wie ihre Verwandten weiter oben. Stattdessen nehmen sie sich ihre Nährstoffe aus dem Wasser. Diese Riffe befinden sich in zweihundert bis tausend Metern Tiefe. Dort ist das Leben karg und deshalb wachsen diese Korallen sehr langsam. Auch hier wachsen Steinkorallen, genau genommen die Art Lophelia Pertusa. Diese ist nicht so farbenfroh wie die tropischen Korallenarten. Leider werden noch immer viele Tiefseeriffe von den Grundschleppnetzen von Fischerbooten zerstört.

In „Die Legende von Oasis“ wird das Tiefwasserriff Xelantra jedoch von einer riesigen Lawine aus Sediment zerstört.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3. Namar - Das Blaue Loch

Es gibt auch auf unserer Erde ein Ort, der „The Great Blue Hole“ genannt wird und dieser hat mich zu diesem Schauplatz inspiriert. Das Lochbefindet sich vor der Küste des mittelamerikanischen Staates Belize und es gilt als eines der besten Tauchgebiete der Welt. Das Loch mitten im Ozean ist eine dunkelblaue, fast kreisrunde Fläche mit einem Durchmesser von 3`000 Metern und es reicht 125 Meter tief. Es entstand in der letzten Eiszeit, und weil damals die Erde viel kälter war als heute, haben die Gletscher viel mehr Wasser gebunden. Diese Stelle lag also einst trocken und war eine Tropfsteinhöhle (noch heute kann man die Stalagmiten und Stalaktiten bei einem Tauchgang sehen) Dann, als der Meeresspiegel zu steigen begann, wurden die unterirdischen Höhlensysteme geflutet.

Die Orkusianerin Alessa regiert in dem Königreich Namar und ihr gelingt der erste Sieg im Krieg der Terraner.

Das große blaue Loch nahe Belize:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4. Earora – Ein Riff wie aus der Kreidezeit

Könnten wir in die Zeit zurückreisen und einen Tauchgang in einem Riff in der Kreidezeit unternehmen, so würden wir ganz andersartige Lebewesen sichten als wir das heute tun. Ich will jetzt hier nicht mit langen, verwirrenden, lateinischen Namen von Flora und Fauna langweilen, aber wie ein solches Riff es in Oasis geschafft hat, zu bestehen, erfahrt ihr, wenn ihr das Buch lest ;-) Doch noch etwas Anderes hat mich zu dem Kapitel von Earora inspiriert: Die Insel Surtsey. Das ist eine vulkanische Insel nicht weit von der Küste Islands. Sie bildete sich während eines submarinen Vulkanausbruchs, etwas 130 Meter unter dem Meeresspiegel. Surtsey erschien im November 1963 erstmals über der Wasseroberfläche. Drei Jahre lang dauerte der Ausbruch und die Insel wuchs auf eine Fläche von 1.4 Quatratilometern heran. Seitdem schrumpft die Insel auch schon wieder, weil die Erosion durch Wellen an ihrem Gestein nagt.

Die Kreidezeit fasziniert mich total mit ihrem warmen Klima, den Dinosauriern und all den anderen sonderbaren Tieren und Pflanzen. Hierzu ein Bild davon, wie die Erde zur Kreidezeit ausgesehen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5. Fornoch – Ein submariner, erloschener Vulkan

Fornoch ist eines der sechs Königreiche, jedoch ist in dem Buch nur ein paar Mal die Rede davon. Szenen an diesem Schauplatz gibt es nicht. Dennoch gibt es ein paar interessante Fakten über submarine Vulkane zu erfahren: Im Meer gibt es weitaus mehr aktive Vulkane als an Land. Hier sind es etwa 1900. Die Anzahl im Meer kann nur geschätzt werden, weil sehr viele Teile noch unerforscht sind, aber Forscher sprechen von etwa 1`000`000 Unterwasser-Vulkanen. Davon befinden sich die meisten entlang des mittelozeanischen Rückens.

Der submarine Vulkan Marsili während einer Eruption:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

6. Noliramis – Ein Wald unter Wasser

Kelpwälder (auch Tang- oder Algenwälder genannt) wachsen in kühlen, gemäßigten Meeren und gehören zu den produktivsten marinen Ökosystemen der Welt. Der sogenannte Riesenkelp kann so hoch wie die Mammutbäume werden. Viele Organismen nutzen das reiche Angebot an Nahrung und Schutz. In den besonders dichten Kelpwäldern vor der kalifornischen Küste leben auf jedem Quadratkilometer geschätzte 50`000 Tiere.

Die Orkusianerin Flinke Flosse ist die Königin von Noliramis, doch wie das Königreich von Xeo, bleibt auch das ihre nicht von Estes Rachefeldzug verschont.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

7. Ortis – Das Eismeer im Süden – oder: die Antarktis

Die Antarktis birg die größte Eiswüste der Welt. Und dank ihrer Unwirtlichkeit blieb sie von den Kolonialisierungen des 19. und 20. Jahrhunderts verschont. Noch heute versuchen wir, die Antarktis als ein von Menschenhand unberührter Ort zu lassen. Aber der Tourismus hat mittlerweile auch dort seinen Einzug gefunden. Jachtreisen, Fischerei, Land-überflüge, Bergsteigen, Versorgungs- und Inspektionsfahrten etc. Doch glücklicherweise gibt es den Antarktisvertrag, der 1961 in Kraft getreten ist. Darin einigen sich diejenigen Staaten, die Ansprüche in der Antarktis haben, ihre Gebietsansprüche nicht für militärische oder wirtschaftliche Interessen zu nutzen, sondern sie stattdessen mit den anderen beteiligten Staaten für Forschung und Wissenschaft zu besuchen und zu besiedeln.

Im südlichen Eismeer von Oasis findet die letzte große Schlacht statt. Viele Wale kommen den Orkusianern zur Rettung und die Ereignisse überstürzen sich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

8. Hydrothermale Quellen

Auf ihrer Reise durchs Meer müssen sich Brielle und ihre Gefährten durch eine hydrothermale Quelle kämpfen – auch schwarze Raucher oder Schlote genannt. Das sind schlanke, meterhohe Gesteinssäulen, die schwarzer Rauch ausspeihen. Dieser Rauch ist eigentlich kein richtiger Rauch, sondern heißes Eisensulfid, das sich mit Wasser vermischt. Der höchste Raucher, den man je entdeckt hat, war 16 Stockwerke hoch!

Diese Quellen sind das einzige Ökosystem der Erde, das seine Energie nicht aus der Photosynthese (also aus dem Sonnenlicht) bezieht, sondern aus der Chemosynthese. Wenn Wasser durch die Risse in der aufreißenden Kruste des Meeresbodens sickert, wird Sulfat freigelassen und dieses verwandelt sich mit dem heißen Vulkangestein zu Wasserstoffsulfid – eine hochgiftige Chemikalie. Und trotzdem: Selbst in diesen lebenswidrigen Umständen findet man Leben in Hülle und Fülle. Am meisten sieht man die Röhrenwürmer, welche nahe den Schloten die dichteste Biomasse der Welt bilden. Aber! Diese Organismen haben keinen Mund und keinen Darm. Es handelt sich hierbei um einen völlig neuen Organismus. Und Forscher haben dort 30 cm große Muscheln gefunden, die etwa 100 Jahre alt waren!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

9. Willkommen im Gruselkabinett – Die Tiefsee

Bereits in 700 Metern Tiefe herrscht in den Ozeanen totale Finsternis. Ein Druck von Tausenden von Tonnen herrscht dort und das Leben hat absonderliche Formen angenommen. In diesen Tiefen sind viele Lebewesen mit Leuchtorganen ausgestattet. Diese dienen den Jägern dazu, Beute anzulocken; und den Gejagten dienen sie dazu, ihre Verfolger zu verwirren oder zu blenden. Oder die Tiere haben riesige Augen, die auch nur den kleinsten Lichtschimmer wahrnehmen können. Oder es gibt Wesen, die keine Lichtsinnesorgane besitzen, sondern hochempfindliche, antennenähnliche Tastorgane. Die Tiere können dem Druck standhalten, weil ihre Körperflüssigkeit unter dem gleichen Druck steht wie das Wasser. Das Leben in diesen Tiefen ist karg und so sind die Tiere entweder Restefresser, oder Beute, oder Beutejäger.

Ein Vipernfisch schnappt nach einer Beute:

 

  

Ozeanologie für Dummies – oder: Wie mein Roman entstand – Teil 3

                                          

Interessante Fakten der Meere:

 

 

1. Meeresleuchten

Das sind Lichterscheinungen im offenem Meer und an den Küsten durch Biolumineszens (Erklärung weiter unten). Es ist eine Ansammlung von Mikroorganismen - Dinoflagellate genannt. Diese sind grün, rot oder blau. Manchmal sind diese Algenteppiche so groß, dass man sie sogar vom Weltraum aussehen kann. Zudem sind sie die Basis in der Ernährungspyramide der Ozeane und dort finden auch die bekannten Massenfressereien statt. In „Die Legende von Oasis“ nehmen die Orkusianer Brielle und Rahes an so einem Festschmaus teil.

 

           

                     

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2. Biolumineszens

Als die Orkusianerin Brielle zum ersten Mal in die Tiefen des Meeres abtaucht, lernt sie die Schönheit und Sonderheit der Biolumineszenz kennen. Weil dieses Wort ein furchtbarer Zungenbrecher ist und um der Verständlichkeit willen, habe ich im Buch stattdessen den Begriff „lichterzeugend“ verwendet. Diese leuchtenden Organismen erzeugen selbst Licht, entweder mit speziellen Leuchtorganen (Photophoren genannt) oder durch die Aufnahme von biolumineszenter Bakterien in ihr Gewebe. Wie das Licht entsteht, ist eine chemische Reaktion und um das näher zu erklären, müsste ich ins Fachchinesisch wechseln. In der Tiefsee sind etwa 75 bis 80 Prozent aller Arten Lichterzeuger. Die Leuchtorgane variieren in Größe, Form, Farbe und Lage, sodass verschiedene Arten und sogar Geschlechter ihre eigenen Schlüsselsignale haben.

Biolumineszierende Quallen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3. Pfiesteria

Das ist eine tödliche Waffe, welche die Göttin Este einsetzt, um das tropische Korallenriff Antinas und all seine Bewohner zu vernichten. Aber was genau ist die Pfiesteria? Es sind Algenblüten, die einen sehr komplexen Lebenszyklus haben. Sie können sich in 24 verschiedenen Stadien und Formen hin und her bewegen und erbeuten Fische, die 10`000 Mal größer sind als sie selbst.

Sie leben in langsam fließenden, den Gezeiten ausgesetzten Flussmündungen im Brackwasser. Dort lauern sie im Schlamm und warten auf vorbeischwimmende Fische. Etwas, das der Fisch aussondert, weckt die Algenblüten auf und verwandelt sie in Dinoflagellate (halb Pflanze, halb Tier). Angetrieben durch lange Geißeln, schwimmt die Pfiesteria auf die Beute zu. Hier sondert sie einen Giftstoff ab, der die Atmung des Fisches lähmt. Er stirbt an Erstickung. Die Lähmung hindert ihn zudem an der Flucht. Wunden entstehen in dem Schuppenkleid, die Haut löst sich auf und der Fisch stirbt. Dann verwandelt sich die Dinoflagellate in eine Amöbe, damit sie besser auf dem toten Fisch herumkrabbeln und die abgelösten Hautfetzen fressen kann. Ist das nicht faszinierend?

Der extravagante Lebenszyklus der Pfiesteria:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4. Hast du gewusst, dass es auch im Meer Wetter und Jahreszeiten gibt?

An Kontinentalhängen lösen starke abyssische Strömungen gewaltige Wirbeln aus – analog der Hurrikans in der Atmosphäre – die die Hänge entlangfegen und das Sediment tagelang aufwühlen. Mächtige Schlammwolken werden ins Wasser getrieben und verwandeln den Meeresboden beim Absetzen in eine Gegend, die wie eine geputzte Schiefertafel aussieht.

Dann: Plankton blüht im Frühjahr und stirbt in großen Mengen, sobald derSommer kommt. Der Detrius ist nicht länger ein Schneefall, sondern ein Schneesturm und sinkt in mächtigen Schüben in die Tiefe. Er fällt so schnell, dass er noch grün unten ankommt und sich als flockige Matten auf den Hängen von Vulkanen, in Furchen und Senken ablegt und sie stauen sich sogar zu Hügeln auf.

Meeresschnee:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5. Der Mittelozeanische Rücken

Das ist ein langes, submarines Gebirge (das längste der Welt), eine Kette aus Vulkanen, die sich mehrere zehntausend Kilometer lang wie eine Naht um die Erde zieht. Noch kein Mensch hat einer dieser Gipfel erklommen. In Oasis gibt es aus so eine Bergkette, nur nenne ich diese „Ozeanische Bergrücken“. Weil hier ständig Lava ausgespeiht wird, ist dies die Geburtsstätte von neuem Meeresboden.

Diese Grafik zeigt, wie sich die verschiedenen tektonischen Platten bewegen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

6. Und somit kommen wir zu der Faszination der Plattentektonik

Die Mittelozeanischen Rücken bilden die Scheitelzone, von wo aus zwei tektonische Platten auseinanderdriften. Das kommt daher, weil sich die Rifts (vulkanische Spalten) ständig mit Magma füllen, welches aus dem heißen Gesteinsmantel der Erde quillt und dadurch weitet sich der Meeresboden aus. Und dies wiederum bewirkt, dass sich die tektonischen Platten (10-100 Km dick) in unglaublicher Langsamkeit wie Eisbrecher ihre Wege über den Meeresboden bannen. Und wenn sie dann auf einen Kontinent treffen, gleitet die Platte in einen Tiefseegraben hinab und zurück in den Erdmantel, wobei er die übrige Platte mitzieht. Das ist das größte Recycling-System der Welt!

 

           

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

7. Die Meere enthalten zirka 1`370 Millionen Kubikkilometer Wasser. Davon sind 30 Millionen Tonnen Salz pro ein km3 gelöst. Die durchschnittliche Tiefe beträgt 3`970 Meter. An der tiefsten Stelle könnte das Meer das höchste Gebirge der Welt aufnehmen und es wäre noch immer zwei Kilometer unter der Meeresoberfläche.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

8. Die tiefste, bekannteste Stelle der Erde ist das Challenger-Deep, auch Marianen- Graben genannt. Es befindet sich im Pazifik und reicht 11`040 Meter tief.

 

9. Wasser tritt als einziges Element der Erde in drei natürlichen Zuständen auf: fest, flüssig und gasförmig. Eis ist weniger dicht als Wasser, was bei allen anderen Elementen des Periodensystems genau umgekehrt ist.

 

10. Hast du gewusst, dass sich der atlantische Ozean jedes Jahr um zwei Zentimeter vergrößert? Und dies auf Kosten des Pazifischen Ozeans, der deswegen kleiner wird. Irgendwann wird der Pazifik verschwunden sein, wie die untergegangene Tethys. Siehe dazu die Weltkarte der Kreidezeit, aber wenn du mehr über diesen Ozean wissen möchtest, kannst du das jetzt selbst googeln ;-)