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Tagebuch einer Truckerin Teil 2

Meine letzte Kolumne erzählte davon, wie ich die Lizenz als LKW-Fahrerin gemacht und meinen ersten Job gefunden habe.

Ich fuhr gemeinsam mit meinem damaligen Freund K. Es war Anfang Dezember 2011 - Winter im Anmarsch. Wir mussten eine Ladung von Toronto nach Calgary, Alberta bringen. Also fuhren wir Richtung Nord-Ontario, wo uns der erste Blizzard empfing.

Ein LKW-Fahrer in Kanada darf nicht mehr als dreizehn Stunden pro Tag fahren, und als sich die erste Schicht von K. dem Ende neigte, fanden wir uns fast völlig isoliert hinter einem weißen Vorhang wieder; es schien mehr Schnee als Luft in der Atmosphäre zu sein. Als es eindunkelte, war ich an der Reihe. Zum ersten Mal seit der Fahrprüfung musste ich Herr über ein 18 Meter langes Feuerzeug werden und es durch 50 Zentimetern tiefen Schnee pflügen. „Ach, so schlimm kann’s nicht sein!“, ermutigte ich mich. „Kann ja sowieso nicht schneller als 40/km fahren.“ Aber selbst dieses Tempo schien zu schnell, die Straße war vielerorts unter weißem Pulver begraben. Anhalten konnten wir nicht, weil wir uns irgendwo in der Wildnis befanden und einen Straßenrand gab es dank dem vielen Schnee nicht mehr. Autos sahen wir keine, nur noch die Schneepflüger und die Trucker, die versuchten, ihr Ziel heil zu erreichen. Wenn uns ein LKW entgegenkam, fragten wir über den CB-Radio, wie weit denn diese Hölle noch reichte. „There is no end in sight“, lautete die Nachricht. Wir antworteten: „The same where we came from, dude.“ Als wir endlich ein Dorf erreichten, wo es eine Tankstelle gab, hielten wir für die Nacht an.

Zwei Tage später erreichten wir die Grenze von Manitoba – berüchtigt für extrem kalte Wintern. Hier durfte ich zum ersten Mal erleben, wie schrecklich sich -30 Grad anfühlen. Man braucht – auf guten Straßen – vier Stunden, um diese Provinz zu durchqueren, und diese Fahrt ist so aufregend wie das weiße Rauschen in einem TV. Eine völlig flache, leere Landschaft. Wir fuhren auf dem Trans-Canada Highway, der sich mit 7000km durch alle zehn Provinzen von der West- bis zur Ostküste erstreckt. Ich erinnere mich noch daran, wie ich zu K. außerhalb von Winnipeg sagte: „Hier scheint die Straße nicht mehr so stark vereist zu sein. Ich gebe mal ein bisschen mehr Gas.“ Denn wir hatten noch über 1300km vor uns. K. zeigte nach Links und antwortete: „Schau mal dort!“ Ich folgte seinem Finger und wir schauten zu, wie ein Truck gerade die Kontrolle verlor. Er schlitterte quer über die Straße, kam von der Fahrbahn ab und kippte seitwärts in den Schnee. Ich reduzierte schön brav das Gewicht auf dem Pedal und legte die Strecke nach Calgary im Schneckentempo zurück, mit knirschenden Zähnen und klopfendem Herz.

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