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Tagebuch einer Truckerin


Kaffee habe ich nie gemocht. Bis zu dem Tag, an dem ich die Schulbank in Ayr, Ontario, drücken musste, um Lastwagenfahrerin zu werden. Der Kurs dauerte sechs Wochen – zwei Wochen Theorie, vier Wochen Praxis. Der theoretische Stoff war so trocken, dass es mir oft schwer fiel, die Augen offen zu halten und nicht ungeniert in den Raum zu gähnen. So entschied ich, dem Gebräu eine Chance zu geben. Jetzt wollte ich endlich herausfinden, ob dieser beliebte Muntermacher seinem Ruf gerecht wird. Nicht für mich. Ich kann noch heute eine ganze Kanne vor dem Zubettgehen trinken, ohne dass das Koffein mir den Schlaf raubt, geschweige denn die Macht hat, mich durch eine ganze Nacht Lastwagenfahrens zu bringen. Was mich schliesslich vor dem Einschlafen bewahrte, waren die tollen Mitschüler und der lustige Lehrer. Dass es Theorie in der Fülle und im Umfang von zwei Wochen gab, hätte ich nie gedacht. Aber die Trucker in Kanada sind stolz auf das, was sie tun und nehmen ihren Job ernst. Wobei diese Tätigkeit mehr eine Lebensart als ein Job ist, denn oft sind sie zwei Wochen und mehr unterwegs. Familienleben, soziales Zusammensein und Hobbies haben da kaum Platz. Es ist halt ein gar grosses Land und ein noch viel grösserer Kontinent und in nur einem Tag kommt man kaum irgendwo hin. Jedenfalls galt es nach dem Unterricht im Klassenzimmer zu lernen, wie man einen 18 Meter langen Sattelschlepper manövriert – vorwärts und rückwärts, ankoppeln und abkoppeln, und wie die Druckluftbremsen funktionieren – ein Fach mit anschliessender Prü- fung, das einen ganzen Tag in Anspruch nahm. Auch das Gangschalten soll geübt sein, denn davon haben wir 13, und es unterschied sich wesentlich von dem Gangschalten in einem Auto. Es kam mir vor, als müsste ich noch einmal lernen zu fahren. Mein Fahrlehrer war einfach toll. Er blieb immer ruhig und hatte endlos Geduld – während ich neben ihm ein Nervenbündel war. Mir hat das Herz bis zum Hals geschlagen, als ich dieses Monstrum durch die geschäftigen Strassen von Kitchener und Waterloo buxieren musste. Aber mein Fahrlehrer pflegte immer lächelnd zu sagen: «Du bist grösser als die anderen, die machen dir schon Platz.» In einem Truck gibt es Dutzende Todeswinkel und man hat nur die Seitenspiegel, um zu sehen, was um einen herum passiert. Und was hinter dem massiven Sattelschlepper vor sich geht, bleibt bis auf einen Schatten eines Fahrzeugs meist ein Geheimnis. Aber das Abendteuer sollte erst richtig beginnen, nachdem ich die Fahrprüfung bestanden und einen Job als Überlandfahrerin gefunden hatte.

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