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Rezension von "Kalte Gefühle" von Kim Rylee

Ich habe dieses Buch gelesen, obwohl das Genre nicht wirklich meinem Geschmack entsprach. Jedoch fand ich die Thematik - Gefühlsblindheit - ansprechend, interessant und in der Welt der Bücher eher wenig behandelt. Darüber wollte ich mehr erfahren.

Jedoch kam es im Verlaufe des Buches nie wirklich dazu. Ja, Viktorias Psychiater nimmt sich zwar einmal die Zeit, dieses "Krankheitsbild" näher zu beschreiben und Viktoria selbst wird immerzu als kalt dargestellt, von ihrer Umwelt unberührt und sie lacht nie. Das war es dann auch schon. Ich hätte mir mehr "Einsicht" in ihren Charakter und ihre Gefühlswelt erhofft, mehr Fakten zur Krankheit. Okay, sie ist gefühlslos und daher ist ein solcher Charakter sicher nicht einfach, darzustellen und dem Leser näher zu bringen, aber dennoch muss da doch irgendetwas in ihr drinnen vorgehen. Wenn sie schon keine Gefühle hat, dann wenigsten Gedankengänge, die für den Leser interessant gewesen wäre. Die Tiefe der Figuren fehlte mir einfach.

Daher beschränkt sich das Buch mehrheitlich auf den Verlauf des roten Fadens: Wie kann Viktoria ihren Liebhaber umbringen, ohne dabei geschnappt zu werden? Damit hat sich die Story auch schon.

Dass dann dieser Andre - jener Mann, den sie laut Auftrag umbringen muss und sich mit ihm nebenbei auf eine Beziehung einlässt. Der schafft es doch irgendwie, so etwas wie Zuneigung in Viktoria zu erwecke, und das war sehr vorhersehbar. Und dennoch verpasst auch die Autorin hier, mehr aus diesen Gefühlsregungen der Protagonistin zu schmieden.

Daher wurde mir das Buch, weil es sich eben ausschließlich auf die Handlung beschränkt, schnell langweilig und eintönig. Vor allem waren mir die Beschreibungen der Restaurants, Bars und anderen Räumen zu detailliert und überflüssig. Wer zählt denn schon, wie viele Stühle und Tische in einem Restaurant stehen? Solange diese Fakten und Zahlen nicht zum weiteren Verlauf der Geschichte beisteuern, interessiert mich das als Leser wenig. Klar, mag ich gute Beschreibungen von den Schauplätzen, um ein Gefühl des Ambiente zu gewinnen, aber das Buch ist eher kurz und daher waren diese Beschreibungen meiner Meinung nach zu lange und man hätte die Seiten sinnvoller ausnutzen können.

Und dann empfand ich den Schluss als sehr unbefriedigend. Natürlich muss es nicht immer ein Happy End sein, und das Ende von "Kalte Gefühle" ist halt brutal realistisch - und dennoch kommt es sehr abrupt. Ein unerwartetes Ende ist zwar toll, aber bei diesem Ende kam ich mir als Leser verarscht vor - als hätte ich das Buch umsonst gelesen. Auch deshalb, weil es sehr viele Fragen offen lässt. Zum Beispiel: Was hatte es tatsächlich mit den Absichten von Doktor Darka auf sich? Und was genau ist denn nun mit Viktorias Eltern geschehen? Es wird mehrmals angedeutet, dass der gewaltsame Tod ihrer Eltern der Grund ist, dass sie gefühlskalt ist und nie lacht. Und wie hat sie es geschafft, vier Jahre lang quasi nicht zu existieren? Wird es vielleicht einen zweiten Teil geben? Hat Viktoria durch ein Wunder überlebt?


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