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GRAMMATIK FüR DIE EINGEROSTETEN - TEIL 2

Das beliebte Substantiv

Als erstes möchte ich hier etwas tiefer auf das Substantiv (Hauptwort oder Nennwort) eingehen, denn ich liebe diese Form! Sie birgt so viele Möglichkeiten, so viele Aussageweisen. Es lässt sich nämlich nach Genus (Geschlecht), Numerus (Zahl) und Kasus (Fall) bestimmen. Der Artikel, der meistens mit dem Substantiv einhergeht, verrät einem, ob das Nennwort

  1. maskulin, feminin oder neutral ist (männlich, weiblich, sachlich)

  2. ob es im Singular oder im Plural steht (Einzahl oder Mehrzahl)

  3. ob es sich im Nominativ (Werfall), Genitiv (Wesfall), Dativ (Wemfall) oder Akkusativ (Wenfall) zeigt

Hierfür eine erleichterte Übersicht:

Singular Singular Singular Plural

Maskulin Feminin Neutrum

Nominativ: der Stuhl die Tür das Buch die Bücher

Genitiv: des Stuhles der Tür des Buches der Bücher

Dativ: dem Stuhl der Tür dem Buch den Büchern

Akkusativ: den Stuhl die Tür das Buch die Bücher

Doch wie kann ein Substantiv den Schreibstil eines Autors beeinflussen?

Das Substantiv und das Verb gehen oft Hand in Hand. Erst, wenn sich „bellen“, „weinen“ und „fliegen“ mit „Hund“, „Kind“ und „Adler“ vereinen, machen die Tätigkeitswörter eine Aussage. Substantive wirken in Bildern, und diese sind so stark, dass sie in das Verb hineinwirken. Wenn wir zum Beispiel das Wort „knistern“ hören bzw. lesen, dann kommt uns sofort ein gemütliches Kaminfeuer in den Sinn, oder Feuerwerkskörper. Das Substantiv gibt ein jeglichem Ding in dieser Welt einen Namen, ein Bild, so dass wir es begreifen und einordnen können. Deshalb auch die Bezeichnung Nomen.

Die Substantive werden in Konkreta und Abstrakta eingeteilt.

Ein Konkreta bezeichnet Gegenstände, also Dinge, wir sehen und Berühren können: Die Schaukel, die Pfanne, das Fahrrad. Es verleiht dem Text Farbe und Bildhaftigkeit.

Das Abstrakta bezeichnet folglich etwas Nicht-Gegenständliches, etwas Gedachtes, zum Beispiel, oder ein Gefühl. Hoffnung, Traum und Schmerz können wir nicht greifen, und doch ist es ein Substantiv. Daher wird es als abstraktes Substantiv bezeichnet. Es verleiht dem Text Stimmung.

So, und jetzt wird’s richtig kompliziert, denn Konkreta und Abstrakta werden noch einmal unterteil, und zwar so:

Konkreta: 1. Eigennamen bzw. Dinge, die so, wie sie sind, nur einmal vorkommen (Janine, Kanada, Rhein, Tolkien)

2. Gattungsnamen bzw. Lebewesen oder Dinge, die zu einer Gruppe mit gleichen Eigenschaften gehören und die Gattungsnamen unterteilen sich noch einmal in Sammelnamen (Tiere, Früchte, Werkzeuge, Menschen) und Stoffnamen (Wasser, Silber, Stein).

Abstrakta: 1. Er bezeichnet Zustände und Vorgänge (Durst, Wanderung, Mittagspause)

2. benennt Urteile (Wahrheit – Lüge, Ehrlichkeit – Betrug)

3. zeigt Merkmale (Dunkelheit – Helligkeit, Dünne – Dicke)

4. Es übernimmt die Rolle eines Adjektivs oder eines Verbs (Bemühungen von „sich bemühen“, Sichtung von „etwas sichten“)

Ein wichtiges Merkmal des Abstrakta ist, dass es sich nicht gerne in die Mehrzahl zwingen lässt. Aus „Unglück“ wird niemals „Unglücke“, „Dunkelheiten“, tönt schlampig.

Das Substantiv ist die umfassendste und am meisten verwendete Wortart und es hat allen anderen noch etwas voraus: Es macht eine ganz klare Aussage. Lesen wir das Wort „heiß“, so können uns verschiedene Bilder in den Sinn kommen: frisch gebrauter Kaffee, ein loderndes Feuer oder ein gutaussehender Mann ;-). Doch das einhergehende Substantiv „Hitze“ ist dabei viel klarer, unabhängiger, verbindlicher.

Doch so schön wir das Substantiv finden, so gefährlich und sperrig kann es sein. Sie zeigen große Willigkeit, sich mit anderen Wörtern zu verbinden. Diese nennen wir Komposita oder zusammengesetzte Wörter. Viele Schreiber lieben es, Begriffswörter in Monstren zu verwandeln und es dem Leser schwer machen, den Sinn zu verstehen: Aufsichtsratsmitgliederversammlung, Vaterschaftsfeststellungsverfahren

Das ist einfach nur grässlich und missbraucht die tolle Eigenschaft des Nomens, ein Komposita zu werden: Fingerring, Blumenbeet, Sternenhimmel, Rosenstrauß – das sind zusammengefügte Substantive, die das Bild noch intensiver machen.

Daher sei also Vorsicht geboten mit Substantiven die mit -ung, -heit und -keit enden. Hier handelt es sich meistens um Abstrakta. Auch die Nachsilben -schaft, -nis, -sal und -tum können ein Nennwort kopflastig machen. Kurze Hauptwörter sind die anschaulichsten.

Dann gibt es noch die Nachsilben -chen und -lein, womit wir das Diminutiv, die Verkleinerungsform bilden können. Damit kann der Schreiber ein Lebewesen oder ein Ding als klein darstellen, ohne jenes Adjektiv verwenden zu müssen, oder wir beschreiben damit Geschöpfe, die wie als lieb oder hilflos empfinden: Das Kätzchen, das Mütterchen, das Kindlein, Engelchen. Jedoch sollten wir das Diminutiv nur sporadisch einsetzen, wenn es wirklich so gemeint ist, denn die Verkleinerungsform schwächt ab, beschwichtigt oder macht ironische Anspielungen.

Nachsilben zeugen nicht immer von einem schlechten Schreibstil, die Vorsilben (Präfix) aber meistens schon. Das ist besonders bei Substantivierungen mit Präpositionen der Fall: Inangriffnahme, Vorbescheid, Umschulungsunterstützung, Inkraftsetzung, Beeinträchtigung, Rechtsausübung (einfach grässlich!)

Daher sollten wir uns folgenden Rat zu Herzen nehmen: Schreibe mit kurzen, bildlichen Wörter und nenne die Dinge beim richtigen Namen!

Und zum Schluss zitiere ich hierzu Wolf Schneider aus seinem Buch „Deutsch fürs Leben“:

Es sind die uralten Einsilber, in denen die Grundtatsachen unseres Leben und unsere stärksten Gefühle eingefangen sind: Kopf und Fuß, Haus und Hof, Geld und Geiz, Hass und Neid, Wut und Gier, Glück und Pech, Angst und Qual, Not und Not. Wer Großviehbestände schreibt, obwohl er nichts meint als Rind und Pferd, sollte sich im Landwirtschaftsministerium bewerben.“

Schöner und besser kann man den Wert der Substantive nicht beschreiben!

Der Artikel – Freund und Helfer des Substantiv

Es gibt drei bestimmte und zwei unbestimmte Artikel, auch Geschlechtswörter genannt: der, die, das und ein, eine.

Der Artikel hebt etwas Einzelnes, etwas Bestimmtes aus der Masse hervor, umgrenzt und bestimmt es. „Wind blies durch das Fenster.“ Hier hebt der Artikel „das“ ein bestimmtes Fenster von den übrigen Fenstern des Hauses ab, rückt es in Szene. Denn hier wird bald was passieren. Daher muss von diesem Fenster bis hierher bereits die Rede gewesen sein oder es folgt unmittelbar eine nähere Bestimmung: „Der Wind blies durch das offene Fenster, wo ein drei Meter hohes Kartenhaus stand.“

Der Artikel kann auch eine Zeigefunktion haben: „Der Mann dort.“ „Das Buch da.“ Oder: „Professor Dingsbums ist heute der Fachmann der Quantenphysik.“ Das kleine Wörtchen „der“ und dabei ins kursiv gesetzt, teilt mit, dass niemand außer Professor Dingsbums für die Nominierung des Nobelpreises in Frage kommt.

Dann zum unbestimmten Artikel. Er stammt vom Zahlwort ab und hat daher oft eine numerische Funktion: „Plötzlich rannte ein Kind auf die Straße.“ Gemeint sind hier zwei Dinge: Es handelt sich um ein einzelnes Kind, und es handelt sich um kein bestimmtes Kind (vielleicht noch nicht?) Der unbestimmte Artikel vereinzelt also noch nachdrücklicher als der bestimmte Artikel, setzt aber nicht voraus, dass wir von diesem einem Kind bereits etwas wissen.

Dann zu den Substantiven ohne Artikel, welche auch sehr beliebt sind. Wenn die Bestimmung eines Substantivs sich erübrigt, können wir auf den Artikel verzichten: „Auf der Wiese grasten Kühe.“ Hier ist klar, dass die Kühe im Moment nur als Hintergrundbild dienen. Das Substantiv wirkt ohne den Artikel eine größere Kraft auf das Bild aus: „Rache ist süß.“ „Mit Kind und Kegel.“ „Mit Müh und Not.“ Viele Redewendungen und Sprichwörter machen sich diese Wirkung zu Nutze.

Und zum Schluss dieser Lektion, merke dir: In der geschriebenen Sprache ist nichts ohne Bedeutung! Das noch so kleinste Element, wie zum Beispiel der Artikel, muss eine Bedeutung im Text haben und soll richtig eingesetzt werden!

Das Pronomen

Nehmen wir es auseinander und übersetzen es ins Deutsche, dann heißt es: Für-Namen, jedoch korrekt: Für-Wort. Es begleitet und vertritt also das Nomen und müssen dank ihm, ein bestimmtes Hauptwort nicht ständig wiederholen: „Der Wein ist rosig und süß. Er stammt aus dem Jahr 1996.“ Er ersetzt das Wort Wein. Doch das Pronomen kann nicht nur das, es kann das Nomen auch begleitet, in der Art und Weise wie ein Artikel: „Dieser Wein schenkt Ihrem Gaumen ein rosig-süßen Geschmack.“

Die Gruppen der Pronomen haben im Deutsch weniger als 100 Wörter und sie existieren in sechs Arten:

  1. Das Personalpronomen (oder persönliches Fürwort), die stellvertretend eine Person oder eine Sache bezeichnen.

  2. Das Possessivpronomen (oder besitzanzeigendes Fürwort), bestimmt einen Eigentum, eine Zugehörigkeit.

  3. Das Demonstrativpronomen (oder das hinweisende Fürwort), gibt eine Orts-oder Zeitverhältnis an

  4. Das Relativpronomen ((oder bezügliches Fürwort), beziehen eine Aussage auf ein Hauptwort: der, die, das, welcher, welche, welcher, wer, was

  5. Das Interrogativpronomen, (oder Fragefürwort), fragen nach etwas: Wer? Was? Welcher? Welches? Was für ein?

  6. Das Indefinitpronomen (oder unbestimmtes Fürwort), vertreten eine nicht näher bestimmte Person oder ein Ding: man, niemand, jedermann, jemand, etwas, nichts.

Das Personalpronomen, das persönliche Fürwort zeigt, wie wir die Dine sehen bzw. betrachten und was für eine Beziehung wir zu ihnen haben: Diese lauten:

Im Nominativ: ich, du, er, sie, es, wir, ihr/sie

Genitiv: meiner, deiner, seiner/ihrer/seiner, unser, eurer/ihrer

Dativ: mir, dir, ihm/ihr/ihm, uns, euch/ihnen

Akkusativ: mich, dich, ihn/sie/es, uns, euch/sie

Ein Autor, der in der Ich-Form schreibt, sollte darauf achten, sich selbst als Erzähler nicht zu aufdringlich in den Vordergrund zu stellen. Stattessen wird das Erzählen in der Ich-Form zu einem Selbstgespräch, ja gar ei Zwiegespräch. Dabei kann der Ich-Erzählende auch mal sich selbst im „Du“ ansprechen, zum Beispiel so: „Tja, das hast du nun davon, Tanja Meier. Hättest eben auf deine Mutter hören sollen! Man hat wieder mal nichts gelernt.“

Der Schreiber kann anstelle des „Du“, auch ein „man“ setzen, je nachdem, was für eine Wirkung er erzielen will. In der klassischen Literatur wurde der Leser vom Autor oft direkt angesprochen, zum Beispiel so: „Der Lärm des Gefechts war endlich verstummt, doch das Schreien, Weinen und Grunzen der Verletzten ging weiter. Ich lag am Rande des Schlachtfeldes, mit den Gedärmen neben mir liegend und tagträumte von dem Apfelkuchen meiner Mutter – wie Apfel und Sauce aus dem Teig quellen wie du ein Stück mit der Gabel abschneidest. (Tschuldigung für das eklige Beispiel, aber das ist mir gerade spontan in den Sinn gekommen.)

Nun widme ich einen Absatz dem kleinen, etwas schwierigen Wort „es“. Wie die Fürwörter „sie/er“, vertritt es ein vorangegangenes neutrales Subjekt, doch es sträubt sich, sich in eine Präposition zu zwängen: „Anna betrachtete das Pferd. Es war ein alter, ausgehungerter Klepper, doch der Verkäufer fand immer neue Lobpreisungen für es.“ Das zweite „es“ am Schluss klingt unschön und stört den Rhythmus des Satzes. Stattdessen umschreiben wir es lieber: „… doch der Verkäufer fand immer neue Lobpreisungen für das Tier.“

Dann gibt es die mehrdeutigen persönlichen Fürwörter, die den Autor in Schwierigkeiten und dem Leser Verwirrung bringen können: „Meine Nachbarin stelle mich ihrer Schwester vor. Sie war gerade von einem Nickerchen aufgewacht.“ Ja wer genau ist denn hier gemeint? Die Nachbarin oder die Schwester? Die Lösung bringt ein Nebensatz, den wir an das umstrittene Objekt anhängen können: „Meine Nachbarin machte mich mit ihrer Schwester, die gerade von einem Nickerchen aufgewacht war, bekannt.“

„Die Stadt New York, berühmt durch ihre Hochhäuser und Freiheitsstatue …“ Hier müssen wir „ihre“ wiederholen, weil die Hochhäuser und die Freiheitsstatue nicht denselben Numeros teilen, sie stehen im Plural und Singular. Würde das Beispiel von zwei Objekten im Plural erzählen, würde sie der Grammatik-Experte nicht die Haare rauen: „Die Stadt New York, berühmt durch ihre Hochhäuser und Taxis …“

„Ihr habt euch nie etwas gegönnt, aber immer hilfsbereit gezeigt.“ Was tönt hier nicht richtig? Das erste „euch“ steht im Dativ (Wem-Fall), das „euch“ im Nebensatz wird aber im Akkusativ (Wen-Fall) verlangt. Deshalb muss es wiederholt werden: „Ihr habt euch nie etwas gegönnt, euch aber immer hilfsbereit gezeigt.“

Das Reflexivpronomen:

Für sorge

Ich für mich

Du für dich

Er für sich

Wir für uns

Ihr für euch

Jeder für sich

Aus „Wort-wörtlich, Deutsch für die Mittelstufe“ von Burckhard Garbe

Das Possessivpronomen

Mein und dein, unser und euer, sein und ihr – klingt ganz einfach, oder? Es sei denn, wir kratzen uns am Kopf und denken: Soll ich das im Dativ (Wemfall) oder im Genitiv (Wesfall) schreiben? „Das Auto meines Vaters“ oder „Das Auto von meinem Vater?“

In der geschriebenen Sprache sollten wir auf die Konstruktion „von“ mit dem Dativ verzichten. Bedenken wir jedoch, dass der dritte Fall – der Dativ – sich nicht immer völlig gegen das Possessivpronomen verschwört. Wenn wir die beiden also dennoch vereinen, dann ist es ein „freier Dativ“ und dadurch hilft er, die Menschen ins Rampenlicht zu rücken. „Er küsste ihrer Großmutter die Hand“, klingt wärmer, näher und persönlicher als „Er küsste ihre Hand“ oder „Er küsste die Hand seiner Großmutter.“

So bekundet das besitzanzeigende Fürwort nicht nur eine nüchterne Feststellung, wem etwas gehört, sondern zeigt Beziehungen mit Gefühl und Schattierung.

Das Demonstrativpronomen:

Bin ich hier oder dort?

Diese Pronomen verleihen einem Substantiv einen besonderen Nachdruck. Sie weisen auf eine Person oder auf eine Sache, die entweder schon bekannt ist oder gleich darauf näher beschrieben bzw. bezeichnet wird.

Maskulin Feminin Neutrum Plural

Der die das die

Dieser diese dieses diese

Jener jene jenes jene

Derselbe dieselbe dasselbe dieselbe

Solcher solche solches solche

Derjenige diejenige dasjenige diejenigen

„Glaube dem kein Wort!“, gebrauchen wir das Demonstrativpronomen in der Alltagssprache, oder: „Der

hat ja heute miese Laune!“

„Das blitzt und donnert!“ Hier ist „das“ ein Subjekt eines unpersönlichen Verbs.

„Schau mal der Mann dort drüben, Gretchen! Das ist ein Feuerwehrmann im Einsatz“ oder „Gefallen dir diese Stühle? Das sind antike Stücke.“ Diese DP verweisen auf Dinge oder Leute, die ein anderes Geschlecht haben.

Dieser, diese, dieses gebraucht ein Autor, wenn ein etwas einen besonderen Nachdruck verlangt. „An dieses Fest erinnere ich mich nach all den Jahren noch.“ Jedoch ist der folgende Satz mit einem unnötigen Demonstrativpronomen ausgestattet: „Es war einmal eine Königin, diese hatte drei Töchter.“ Hier genügt „… die hatte drei Töchter.“

Anstelle von „dieses“ können wir aus „dies“ schreiben: „Mir gefiel sein Manuskript nicht und ich sagte ihm dies.“ Verwende aber „dieses“ niemals als Subjekt, denn das ist schlechtes Deutsch: „Die Verfasserin dieses gestattet sich, darauf hinzuweisen, dass gutes Deutsch schweres Deutsch ist.“

Das Demonstrativpronomen birgt noch mehr Magie in sich: Wenn wir es als charakterisierend, anstatt als hinweisend verwenden. Was ich damit meine? Dass sie so wie negativ betonende Anführungszeichen wirken! Misstrauen, Unbehagen oder Abneigung heben sich gegenüber einer Person oder einer Sache hervor: „Dieser Bengel hat schon wieder mein Küchenfenster eingeschlagen.“ Der Satz sagt aus, dass derselbe Junge schon öfters Unannehmlichkeiten bereitet hat. „Oh, dieser Schmerz und diese Trauer, ein ungeheures Gewicht für das gebrochene Herz zu tragen! All die Tränen, diese brennend heiß auf meiner Wange… „

Hier deuten die Demonstrativpronomen weder auf Vergangenes hin, noch folgt ihnen eine Erläuterung. Das wäre unnötig, denn so ziemlich jedem Menschen ist mindestens einmal das Herz auf die eine oder andere Weise gebrochen worden. Wie sich das anfühlt, wissen wir, das muss nicht näher erklärt werden, auch deshalb, weil – so nehme ich an – jeder Mensch Schmerz, Trauer und Verlust auf seine ganz eigene Weise wahrnimmt und durchlebt. Dadurch, dass ich in diesen Sätzen die DP benutze, verleibe ich meinem Gejammer noch mehr Drama ein. Oder nicht?

Und dann die schönen Wörter „dieser“ und „jener“

Meistens treten die beiden Wörter als ein Paar auf. Hierzu gilt die Regel: „dieser“ zeigt auf das Näherliegende, „jener“ auf das Entferntere. Diese Unterscheidung gilt im räumlichen wie im zeitlichen Sinn. So stehe ich „diesseits der Straße“, meine aber den Buchladen auf der anderen Seite der Straße, wenn ich „jenseitigen Buchladen“ schreibe.

„Jener“ kann auch einen Solo-Auftritt haben. Es spricht dann meistens von einem größeren Abstand zum Beschriebenen, zielt in eine weitere Ferne und es erreicht dadurch einen großen Hörerkreis. „Jener, jene, jenes“, ruft verbindende Erlebnisse wach, bildet Ansichten und Einsichten, die einzelne Menschen oder eine Gruppe von Menschen teilen: „Jenes sorgenlose Lachen, zu dem nur Kinder fähig sind …“ „Jene Dreistigkeit, mit der Politiker ihre Wähler anlügen …“ Solche Formulierungen setzen beim Leser eigene Erfahrungen voraus. Doch dürfen wir dieses Stilmittel nicht zu oft verwenden, weil es schnell abstumpft, schlägt falsche Töne an oder verleiht einfachen Feststellungen zu viel Kraft.

Adjektive und Adverbien

Auch Beiwörter, Eigenschaftswörter und Einschränkungswörter genannt und sie haben drei Merkmale:

  1. Sie bezeichnen die Eigenschaft eines Hauptworts bzw. Zeitworts

  2. Sie stehen beim Hauptwort bzw. Zeitwort

  3. Sie dienen zur näheren Bestimmung eines Wortes oder einer Wortgruppe

Aber was genau unterscheidet die beiden voneinander? Ganz einfach: Ein Eigenschaftswort, das vor einem Subjekt steht, nennt sich Adjektiv und es lässt sich deklinieren: ein alter Mann, eine alte Frau, ein junges Mädchen).

Steht ein Eigenschaftsort beim Verb, so nennt es sich Adverb oder auch Umstandswort. Das deshalb, weil es den Nebenumstand einer Tätigkeit oder einer Eigenschaft beschreibt: Er schloss leise die Tür. Leise lässt sich nicht deklinieren.

Und hier möchte ich jedem Autor ans Herz legen: Hüte dich vor den Eigenschaftswörtern! Zuviel davon ist störend, hässlich, falsch, unnütz, überschätzt (und schon mache ich mich dieses Verbrechens selbst schuldig). Besonders, was die Adjektive betrifft. Bei der Überarbeitung können wir oft zwei von drei Adjektiven terminieren. Besonders, was die verschwommenen, schmückenden, ja gar nichtssagenden Beiwörter: Schneeweiße Wolken, grünes Gras, ein blauer Himmel, süßer Honig, eine winterlich weiße Schneelandschaft etc. Sie sind unnötig, weil sie Selbstverständliches ausdrücken. Überflüssige Adjektive kommen mir immer wie Unkraut vor, das von der Faulheit des Autors zeugt, Dinge, Personen, Umstände etc. ins Szene zu rücken, sie agieren zu lassen und beim richtigen Namen zu nennen, sie lebhaft zu beschreiben.

Doch das Adjektiv ist nicht nur böse. Es hat durchaus seinen Zweck, zum Beispiel, wenn es um ein charakterisierendes Merkmal einer Person oder Sache geht: Ein „kahler Baum“ ist etwas ganz Anderes als ein „dichtbelaubter Baum.“ Wobei „schöne Augen“ einfach nur lasch und nichtssagend ist. „gutmütige, helle Augen“ trifft es da schon genauer. Und es macht einen Unterschied, ob ich „diese dünne Katze“ oder „diese bis auf das Knochenmark ausgehungerte Katze“ schreibe.

Zum Vergleich drei Sätze:

  • „Ein Lächeln erhellte seine strengen Züge.“ Kein überflüssiges Adjektiv, da „ein Lächeln“ und „streng“ einen Kontrast, eine Veränderung sichtbar machen, die wesentlich scheint und zur Charakterisierung der Person dient.

  • „Ein zartes Lächeln erhellte ihre schönen Züge.“ Zu viel! Nicht wahr? Ein Lächeln ist doch schon etwas zartes und das Wort „schön“ trägt kaum was zur Charakterisierung bei.

  • „Ein zartes Lächeln umspielte, wie liebliches Morgenlicht eine blühende Wiese, ihre weiblichen Züge.“ Schrecklicher Kitsch! Keine weiteren Erläuterungen nötig.

Die Adverbien sind da etwas weniger empfindlich. Das Verb kann durch das Beiwort verstärkt werden. „Sie kam auf mich zu“ ist nicht so bildkräftig wie: „Zögernd kam sie auf mich zu.“

„Er klopfte an die Tür“ ist farbloser als „Er klopfte wütend an die Tür.“ (Es versteht sich, dass der Klopfende wegen irgendetwas aufgebracht ist ;-)

Doch auch bei den Adverbien müssen wir uns merken, dass weniger mehr ist! „Das ist doch die Unmöglichkeit!“, schrie er sehr zornig – beide Adverbien sind überflüssig, denn die Worte des Mannes sprechen bereits von Zorn, dass er schreit, können wir uns auch denken, wobei auch das Ausrufezeichen mithilft.

Die Beiwörter sehr, äußerst, unerhört, überaus, maßlos, höchst usw. verstärken zwar die beiden A`s, aber auch diese sollten wir bedacht und sparsam einsetzen.

Die Präpositionen – Kleine Worte mit großer Wirkung

Die Präpositionen, auch Verhältniswort genannt, zeigen zeitliche und örtliche Verhältnisse, sprechen von Gründen und Beziehungen. Die Präpositionen lauten: an, seit, in, während, trotz, mit, wegen, nach, ins, über, aus etc. In welcher Beziehung stehen zwei Dinge zueinander, das erzählen uns diese kleinen, jedoch so wunderbaren Wörter.

Örtlich: „Die Weinflasche auf dem Tisch.“ „Die Wohnung im obersten Stock.“ „Das Auto zwischen den beiden Lastwagen.“

Zeitlich: „Kommt er vor oder nach dem Essen?“ „Während des Schulunterrichts schwätzten wir.“

Gründe: „Wegen eines Staus auf der A5.“ „Auf Grund hoher Steuern.“

Beziehungen knüpfen: „mit den Eltern.“ „Für ihre Kinder.“

Oder Beziehungen ausschließen: „Trotz schlechter Noten.“ „ohne Bedenken.“ „Statt vieler Worte.“

Die Präpositionen verleihen einem Text Form und Farbe und dienen als Sprachmittel. Ein Beispiel: „Wie überrascht war ich, als er mich mit offenen Armen empfing.“ Vielfältiger wird der Satz, wenn wir zwei weitere Präpositionen einfügen: „Wie überrascht war ich, als sie mich am nächsten Morgen trotz des heftigen Streits mit offenen Armen empfing.“

Vor allem Journalisten lieben die Präpositionen, weil sie kurz und bündig die Fragen „Was? Wer? Wann? Wo und wie?“ beantworten. Jedoch stolpern wir in Pressetexten manchmal über ziemlich lächerliche Präpositions-Montage:

„Der von seinem Auftraggeber in London gefälschten Akten auf den Namen Schuhmacher ausgestattete Agent hatte bei seiner Übernachtung im Hotel Notizen liegen lassen, die vom Zimmermädchen am folgenden Tag beim Putzen gefunden wurden.“

Wie bei allen bisher besprochenen Wortarten gilt auch hier: Vermeide eine unnötige Anhäufung von Präpositionen, denn wie diese Wortart einen guten Stil ausmachen können, können sie ihn bei kühner Anwendung auch verpfuschen. Denke beim Schreiben immer an den Leser und halte die Texte lesbar!

Die Präpositionen haben noch eine weitere Fähigkeit: Sie können sich nicht nur mit einem Hauptwort verbinden, sondern auch mit einem Verb bzw. Zeitwort und hierbei kommt es zu einem wirkungsvollen Zusammenspiel: Abnehmen, aufklingen, herzeigen, überreden …

Hier haben sich die Präpos aus Vorsilben getarnt und geben dem Verb dadurch vielfältige Bedeutungsnuancen. Und wenn wir nun das Satzgefüge auseinandernehmen, macht es einen Satz geschmeidiger: „So holte sie alles, war sie während ihres Kampfes mit dem Krebs versäumte, in vollen Zügen nach.“

Durch die Trennung des Wortpaares nach-holen, entsteht ein Spannungsbogen. Diesen Effekt können wir dank der Beweglichkeit des Verhältniswortes einsetzen. Aber auch hier gilt Vorsicht, lieber Schreiber! Die eingeschobenen Satzteile dürfen nicht so lang sein, dass der Leser den Faden verliert, sprich: Keine Macht den Schachtelsätzen!

Die Konjunktionen – auch Bindewörter genannt

Unsere schöne Deutsche Sprache wäre eintönig ohne diese Wortart. Sie finden dort Einsatz, wo wir Haupt- und Nebensätze, Satzglieder oder einzelne Wörter verbinden. Sie treten in vielen verschiedenen Funktionen auf:

Begründungen – da, weil, denn, daher, demnach

Zeitverhältnis - während, als bevor, nachdem

Zusammengehörigkeit - und auch, oder, sowie

Bedingung - wenn, falls, sofern

Vergleich – als, als ob, so, wie

Absicht – damit

Gegensatz - obwohl, wenngleich, wie auch immer

Die Grammatik teilt die Konjunktionen in Gruppen unter:

Die nebenordnenden Konjunktionen: und, auch, aber, doch, denn, da, daher, jedoch, sonst, demnach, besonders, dann etc.

Die Doppelkonjuktionen: dadurch, dass, nichts als, insofern als, nicht anders als, so … wie, sondern auch, sowohl … als auch etc.

Die unterordnenden Konjunktionen: obgleich, obwohl, obschon, wenngleich, wiewohl, wie auch immer, ob auch immer, dass, damit weil, wenn etc.

Von den unterordnenden Bindewörter geht eine besonders große Wirkung aus, weil sie oft eine Überraschung mit sich bringen: „Er stellte wie immer sein mildes Lächeln zur Schau, obgleich er sich innerlich wie tot fühlte.“

Oder: „Er bewahrte die Hoffnung, wie schlecht es auch um seine Finanzen stand.“

Noch ein Parade-Beispiel: „Thomas setzte sich. Gabi stand auf. Sie schaute sich nicht um. Sie ging zum Fenster. Sie weinte.“ Eine trockene Symphonie ohne Rhythmus und Klang, ohne logischen Verknüpfungen. Nun schau mal, welch Magie die Bindewörter hier wirken: „Als Thomas sich setzte, stand Gabi auf und ging, ohne sich umzuschauen, zum Fenster, denn er sollte nicht sehen, dass sie weinte.“

Mit Hilfe der Konjunktionen kann der Autor Teile eines Vorgangs, eines Gedankens oder einer Situation sinnvoll verbinden und zu einer harmonischen Einheit verschmelzen.


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