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Die Allmächtige und der Leibhaftige - ein Dialog zwischen Gott und dem Teufel

Laut klopft es an der Himmelstür. Petrus öffnet das goldene Tor und führt den gutaussehenden Mann durch den glitzernden, weissen Gang und läßt ihn auf einer flauschigen Wolke Platz nehmen. Petrus entfernt sich in einer tiefen Verbeugung und die Gastgeberin tritt sogleich ein. Sie verspätet sich nie. „Luzifer, mein alter Kumpel!“, ruft Eloah die Göttin erfreut und umarmt seinen Gast. „Und, was geht ab unten im Ofen?“ „Alles läuft wunderbar!“, lacht Luzifer, während sich Gott ihm gegenüber setzt. Sie hat glattes, nachtschwarzes Haar, welches ihr bis zu den Hüften reicht. Ihre Augen sind blau, wie das Himmelszelt, das sie umgibt. „Ich feiere mit den verlorenen Seelen Tag und Nacht wilde Feste.“ „Das klingt toll. Aber pass auf, dass du nicht zuviel Feuer schluckst.“ „Keine Sorge, Göttin. Ich habe mein Suchtproblem längst in den Griff gekriegt. Seit damals, als du das Feuer, das ich gerade die Kehle herunterspülte, in Eis verwandelt hast.“ Die Göttin zeigt ihr bezaubernstes Lächeln und sagt: „Ist nicht der Rede wert. Ach, übrigens will ich mich dafür bedanken, dass du mir das Fegefeuer immer schön warm hälst.“ „Es ist mir eine Ehre, Himmelsfürstin.“ „Und, warum bist du zu mir gekommen?“ „Ach, weißt du“, beginnt Luzifer und schüttelt traurig den Kopf. „Ich bin so frustriert. Warum bin ich in den Augen der Menschen stets der Böse? Ich bin meinen Job leid.“ „Ja, ja, die Menschen. Sie bereiten uns nur Kopfzerbrechen. Seit Tausenden von Jahren führen sie in meinem Namen Kriege. Ich will das alles gar nicht.“ „Aber die Menschen machen nur Probleme, solange sie auf der Erde wandeln. Sobald sie zu uns kommen, sind sie gesellige, friedvolle Wesen.“ „Ja, das liegt wohl daran, dass sie endlich erkennen, wer und was wir sind.“ „Ich könnte wirklich einmal Ferien gebrauchen“, stöhnt Luzifer. „Au ja!“, ruft die Göttin und klatscht aufgeregt in die Hände. „Mal in eine andere Galaxie düsen!“ Doch Luzifer blickt ernst drein und beugt sich nach vorn. „Jetzt einmal ganz im Ernst, Eloah.“ Er zögert. „Wir sollten einmal die Rollen tauschen.“ Die Göttin lehnt sich zurück, die Arme vor der Brust verschränkt und ihre Stirn in Falten gelegt. Nach einer Ewigkeit des Überlegens sagt sie: „Ja, warum nicht? Klingt nach einer guten Idee.“ Und so tauschen die beiden ihre Plätze und treffen sich einen Monat später wieder. Dieses Mal findet das Treffen in der Hölle statt.

„Und, wie läuft’s?“, fragt Luzifer seine schwitzende Freundin. „Dein Job ist gar nicht so schlecht“, antwortet sie, während sie sich den Schweiss von der Stirn wischt. „Da weiss man, warum man böse ist. Nur an deinen Nicknamen Beelzebub kann ich mich nicht gewöhnen.“ „Ist das nicht unglaublich?“, ruft Luzifer genervt und streckt seine rechte Faust in die Höhe. „Ich, der Herr der Finsternis, Höllenfürst, Satan, Diabolos und Urian, werde von den Erdenkinder respektlos Beelzebub genannt! Eine Frechheit ist das!“ „Komm wieder auf den Teppich, Luzifer, es gibt schlimmeres. Zum Beispiel diese unerträgliche Hitze hier unten.“ „Und dein Himmelsreich ist kälter als die Arktis“, beklagt sich Luzifer. Doch seine Augen erhellen sich gleich darauf. „Dennoch habe ich mich köstlich amüsiert. Den ganzen Tag ist man von schönen Engeln umgeben. Dieser Friede da oben ist jedoch echt langweilig.“ „Lass uns zum Wesentlichen kommen“, sagt die Göttin in sachlichem Ton. „Die Menschen haben sich trotz unseres Rollentausches nicht gebessert.“ „Nein, in der Tat nicht. Diese hoffnungslosen Ignoranten haben nicht einmal bemerkt, dass wir die Plätze gewechselt haben.“ „Ich fürchte, es ist Zeit für eine weitere Apokalypse. Eine zweite Sintflut fände ich amüsant.“ Doch Luzifer winkt ab. „Ach, komm schon. Das ist doch altmodisch. Ausserdem hatten wir schon mehrere hundert Weltuntergänge. Aber die Menschen lernen einfach nicht daraus.“ „Was also sollen wir tun?“, fragt Gott verzweifelt. „Vielleicht sollten wir selbst einmal Menschen sein, um zu verstehen, wie sie denken und fühlen.“ Gesagt, getan. Und dieses Mal treffen sich die beiden nach einem Monat auf der Erde in einer Wüste. „Also, eines habe ich in diesen vier Wochen gelernt“, sagt Gott zu Luzifer. „Mensch sein ist der härteste Job von allen.“ „Genau“, erwidert Luzifer. „Diese unzähligen Gefühle und Gedanken sind kaum zu kontrollieren und ständig habe ich meine Meinung geändert. Das ist vielleicht anstrengend und nervig.“ „Vielleicht sollten wir den Menschen ihre Gefühle wegnehmen. Das würde bestimmt viele Probleme beseitigen. Denn Krieg entsteht immer aus Hass, Angst, Habgier und Ignoranz.“ Luzifer denkt lange darüber nach. Ihm gefällt dieser Gedanke. Er ist nahezu genial und sollte eigentlich von ihm kommen. Doch dann antwortet er: „Wir haben den Menschen den freien Willen geschenkt. Demzufolge können wir ihnen diese Freiheit nicht wegnehmen. Sie müssten selbst darüber entscheiden.“ „Lass uns nach Hause gehen und ein Glas Whiskey trinken, alter Freund“, seufzt Gott und legt einen Arm um Luzifers Schultern. So gehen die alten Freunde zurück auf ihre Posten und tun weiterhin ihr bestes, um das Gleichgewicht von Gut und Böse zu bewahren.Laut klopft es an der Himmelstür. Petrus öffnet das goldene Tor und führt den gutaussehenden Mann durch den glitzernden, weissen Gang und läßt ihn auf einer flauschigen Wolke Platz nehmen. Petrus entfernt sich in einer tiefen Verbeugung und die Gastgeberin tritt sogleich ein. Sie verspätet sich nie. „Luzifer, mein alter Kumpel!“, ruft Eloah die Göttin erfreut und umarmt seinen Gast. „Und, was geht ab unten im Ofen?“ „Alles läuft wunderbar!“, lacht Luzifer, während sich Gott ihm gegenüber setzt. Sie hat glattes, nachtschwarzes Haar, welches ihr bis zu den Hüften reicht. Ihre Augen sind blau, wie das Himmelszelt, das sie umgibt. „Ich feiere mit den verlorenen Seelen Tag und Nacht wilde Feste.“„Das klingt toll. Aber pass auf, dass du nicht zuviel Feuer schluckst.“ „Keine Sorge, Göttin. Ich habe mein Suchtproblem längst in den Griff gekriegt. Seit damals, als du das Feuer, das ich gerade die Kehle herunterspülte, in Eis verwandelt hast.“ Die Göttin zeigt ihr bezaubernstes Lächeln und sagt: „Ist nicht der Rede wert. Ach, übrigens will ich mich dafür bedanken, dass du mir das Fegefeuer immer schön warm hälst.“ „Es ist mir eine Ehre, Himmelsfürstin.“ „Und, warum bist du zu mir gekommen?“ „Ach, weißt du“, beginnt Luzifer und schüttelt traurig den Kopf. „Ich bin so frustriert. Warum bin ich in den Augen der Menschen stets der Böse? Ich bin meinen Job leid.“ „Ja, ja, die Menschen. Sie bereiten uns nur Kopfzerbrechen. Seit Tausenden von Jahren führen sie in meinem Namen Kriege. Ich will das alles gar nicht.“ „Aber die Menschen machen nur Probleme, solange sie auf der Erde wandeln. Sobald sie zu uns kommen, sind sie gesellige, friedvolle Wesen.“ „Ja, das liegt wohl daran, dass sie endlich erkennen, wer und was wir sind.“ „Ich könnte wirklich einmal Ferien gebrauchen“, stöhnt Luzifer.„Au ja!“, ruft die Göttin und klatscht aufgeregt in die Hände. „Mal in eine andere Galaxie düsen!“ Doch Luzifer blickt ernst drein und beugt sich nach vorn. „Jetzt einmal ganz im Ernst, Eloah.“ Er zögert. „Wir sollten einmal die Rollen tauschen.“ Die Göttin lehnt sich zurück, die Arme vor der Brust verschränkt und ihre Stirn in Falten gelegt. Nach einer Ewigkeit des Überlegens sagt sie: „Ja, warum nicht? Klingt nach einer guten Idee.“ Und so tauschen die beiden ihre Plätze und treffen sich einen Monat später wieder. Dieses Mal findet das Treffen in der Hölle statt. „Und, wie läuft’s?“, fragt Luzifer seine schwitzende Freundin. „Dein Job ist gar nicht so schlecht“, antwortet sie, während sie sich den Schweiss von der Stirn wischt. „Da weiss man, warum man böse ist. Nur an deinen Nicknamen Beelzebub kann ich mich nicht gewöhnen.“ „Ist das nicht unglaublich?“, ruft Luzifer genervt und streckt seine rechte Faust in die Höhe. „Ich, der Herr der Finsternis, Höllenfürst, Satan, Diabolos und Urian, werde von den Erdenkinder respektlos Beelzebub genannt! Eine Frechheit ist das!“ „Komm wieder auf den Teppich, Luzifer, es gibt schlimmeres. Zum Beispiel diese unerträgliche Hitze hier unten.“ „Und dein Himmelsreich ist kälter als die Arktis“, beklagt sich Luzifer. Doch seine Augen erhellen sich gleich darauf. „Dennoch habe ich mich köstlich amüsiert. Den ganzen Tag ist man von schönen Engeln umgeben. Dieser Friede da oben ist jedoch echt langweilig.“ „Lass uns zum Wesentlichen kommen“, sagt die Göttin in sachlichem Ton. „Die Menschen haben sich trotz unseres Rollentausches nicht gebessert.“ „Nein, in der Tat nicht. Diese hoffnungslosen Ignoranten haben nicht einmal bemerkt, dass wir die Plätze gewechselt haben.“„Ich fürchte, es ist Zeit für eine weitere Apokalypse. Eine zweite Sintflut fände ich amüsant.“ Doch Luzifer winkt ab. „Ach, komm schon. Das ist doch altmodisch. Ausserdem hatten wir schon mehrere hundert Weltuntergänge. Aber die Menschen lernen einfach nicht daraus.“ „Was also sollen wir tun?“, fragt Gott verzweifelt. „Vielleicht sollten wir selbst einmal Menschen sein, um zu verstehen, wie sie denken und fühlen.“ Gesagt, getan. Und dieses Mal treffen sich die beiden nach einem Monat auf der Erde in einer Wüste. „Also, eines habe ich in diesen vier Wochen gelernt“, sagt Gott zu Luzifer. „Mensch sein ist der härteste Job von allen.“„Genau“, erwidert Luzifer. „Diese unzähligen Gefühle und Gedanken sind kaum zu kontrollieren und ständig habe ich meine Meinung geändert. Das ist vielleicht anstrengend und nervig.“ „Vielleicht sollten wir den Menschen ihre Gefühle wegnehmen. Das würde bestimmt viele Probleme beseitigen. Denn Krieg entsteht immer aus Hass, Angst, Habgier und Ignoranz.“ Luzifer denkt lange darüber nach. Ihm gefällt dieser Gedanke. Er ist nahezu genial und sollte eigentlich von ihm kommen. Doch dann antwortet er: „Wir haben den Menschen den freien Willen geschenkt. Demzufolge können wir ihnen diese Freiheit nicht wegnehmen. Sie müssten selbst darüber entscheiden.“ „Lass uns nach Hause gehen und ein Glas Whiskey trinken, alter Freund“, seufzt Gott und legt einen Arm um Luzifers Schultern. So gehen die alten Freunde zurück auf ihre Posten und tun weiterhin ihr bestes, um das Gleichgewicht von Gut und Böse zu bewahren.


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