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GRAMMATIK FÜR DIE EINGEROSTETEN

Tip Nr. 11

Es gibt neun Wortarten:

  1. Das Tätigkeitswort, auch Zeitwort oder Verb genannt: Springen. Schlafen. Essen.

  2. Das Hauptwort, auch Nennwort oder Substantiv genannt: Hund. Traum. Farbe.

  3. Das Geschlechtswort, auch Artikel genannt: Der. Die. Das. Eine. Einer.

  4. Das Fürwort, auch Pronomen genannt: Ich. Du. Euer. Seiner. Dieser. Welche. Wer.

  5. Das Eigenschaftswort, auch Adjektiv genannt: Klein. Traurig. Gelb.

  6. Das Umstandswort, auch Adverb genannt: Teilweise. Darum. Bisher.

  7. Das Verhältniswort, auch Präposition genannt: An. Außerhalb. Trotz.

  8. Das Bindewort, auch Konjunktion genannt: Und. Entweder. Oder. Dass.

  9. Das Ausrufewort, auch Interjektion genannt: Ah! Pst! Pfui!

Ehre das Verb!

Das Verb ist des Autors bester Freund, denn es ist der Motor der Sprache, die treibende Kraft eines Textes, es verleiht einem Substantiv Leben. Ein Verb als ein einziges Wort kann so vieles mitteilen: was und wann etwas geschieht und wer etwas tut.

Die Konjugation eines Verbs:

Numeri (Zahlform)

  1. Singular (Einzahl): Ich schreibe. Er liest.

  2. Plural (Mehzahl): Wir schreiben. Sie lesen.

Tempora (Zeitformen)

  1. Präsens: Ich schreibe. Sie lesen.

  2. 2. Präteritum: Ich schrieb. Sie lasen.

  3. Perfekt: Ich habe geschrieben. Sie haben gelesen.

  4. Plusquamperfekt: Ich war gegangen. Sie hatten gelesen.

  5. Futur I: Ich werde schreiben. Sie werden lesen.

  6. Futur II: Ich werde geschrieben haben. Sie werden gelesen haben.

Genera (Verbgeschlechter)

  1. Aktiv: Ich kaue. Sie kauen.

  2. Passiv: Es wird gekaut.

Modi (Aussageweise)

  1. Indikativ (Wirklichkeitsform): Ich gehe.

  2. Konjunktiv (Möglichkeitsform): Ich ginge (Ich würde gehen)

  3. Imperativ (Befehlsform) Geh! Geht! Gehen sie!

Nominalform ( unbestimmte Form)

  1. Infinitiv (Nennform):

Präsens: Schreiben. Lesen. Gehen.

Perfekt: Geschrieben haben. Gelesen haben. Gegangen sein.

  1. Partizip (Mittelword)

Präsens: Lesend. Schreibend. Gehend.

Perfekt: Gelesen. Geschrieben. Gegangen.

Keine Macht dem Infinitiv und dem Partizip!

Ein Wörterbuch zeigt ein Verb immer im Infinitiv (Nennwort): putzen, liegen, kochen.

Sie Enden immer auf –en, sie sagen nicht über die Person, die Zahl und Geschehens- und Ausgangsweise. Der Infinitiv wirkt daher ausdrucklos und lahm. Das klingt also in einem Text so: „Sie beteuerte, Ihre Unschuld beweisen zu können.“

Besser: „Sie beteuert, sie könne ihre Unschuld beweisen.“

Verhindere Sätze mit „zu müssen, zu wollen, zu dürfen, zu gehen“ etc. Und noch schlimmer ist, wenn einem Infinitiv ein zweiter folgt. : „Der Versuch, seine Belustigung zu verbergen, drohte zu scheitern.“

Dann das unbewegliche, erstarrte Partizip Perfekt: Ich bin gegangen, sie ist gegangen, wir sind gegangen.

In jeder Form ist es gleich langweilig. Partizipien und Infinitive sind die Sprache der Politiker, Finanzamt, Steuerbehörde, Gesetzbücher etc. Verben werden zu befehlenden, unfreundlichen, unpersönlichen Substantiven und strengen Partizipien.

Beispiel Amtsprache.

Die Modalverben

Es gibt sechs: können, wollen, sollen, mögen, dürfen, müssen.

Oft ermöglichen sie eine genauere Auskunft mit dem Vollverb:

„Meine Tochter läuft jetzt.“

Du: „Na und?“

Also modifiziere ich das Verb und sage: „Meine Tochter kann jetzt laufen.“

Du: „Ach so! Du meinst, dein Sprössling hat gerade seine ersten Schritte getan.“

Der Nachteil: Das Modalverb zieht einen lästigen Infinitiv mit sich. Verwende daher die Modalverben nur spärlich!

Es gib noch weitere Vollverben, welche die Rolle eines Modalverben übernehmen, z.B. : pflegen, brauchen, wissen, stehen etc. Diese Wörter sind an sich harmlose Tätigkeitswörter, jedoch zeigen sie die Neigung, einen Infinitiv mit „zu“ ans sich zu binden: „Sie braucht nur zu sagen.“ „Es steht zu befürchten.“ „Sie weiß es zu würdigen.“

Solche Sätze klingen umständlich und künstlich.

Die Hilfsverben

Sein, werden, haben.

Mit Hilfe dieser drei Verben kannst du die verschiedenen Zeitformen bilden. Versuche jedoch, wo immer der Zusammenhang eines Satzes es zulässt, durch ein aussagekräftiges Vollverb zu ersetzen.

Zum Beispiel: „Die Katze schnurrt“, beschwört doch ein viel klareres Bild herauf als nur „Die Katze ist zufrieden.“

Das Tempus

Wie weiter oben erwähnt, gibt es sechs davon. Hier nun möchte ich etwas tiefer, aber nicht zu tief, darauf eingehen.

Als Autor kannst du den Leser mit den Zeitformen zurück oder nach vorne blicken lassen, oder ihm zeigen, was unmittelbar geschieht.

Das Präsens:

In der Litaratur kann das Präsens eine heikle Sache sein und der Autor soll es nur einsetzen, wenn er damit eine bestimmte Wirkung erzielen will, zum Beispiel, um zeitlose Information oder Feststellungen zu liefern. Berichte in Zeitungen und Magazine werden oft im Präsens geschrieben.

Ich habe meinen Roman „Jennys Universum“ im Präsens und in der Ich-Form geschrieben. Das habe ich aus dem Grund gemacht, weil ich dem Leser das Gefühl geben will, Jenny selbst zu sein. Weil Jenny ein sehr starkes Innenleben hat, wirre Gedankengänge hat, sich mit einer inneren Stimme unterhält, Selbstgespräche fühlt und sehr emotionsvoll auf äußere Umstände reagiert, fand ich, dass das Präsens und die Ich-Form die einzig richtige und passende Form für diese Geschichte ist. Dadurch sieht der Leser die Welt von Jenny durch ihre Augen und versteht so ihre Welt besser.

Mit dem Präsens befindet sich der Leser unmittelbar im Geschehen, ist Teil davon. Als Schreiber muss man jedoch aufpassen, dass der Text im Präsens sich nicht wie ein Protokoll oder ein Bericht liest. Die Geschichte will auch hier einfach nur „erzählt“ werden.

Das Präteritum:

bezeichnet eine Handlung, die in der Vergangenheit lieg und dort auch abgeschlossen ist. Beim Reden gebrauchen wir es selten, zum Beispiel nur für kurze Sätze wie: „Ich war einkaufen“, „Ich hatte keine Zeit“, „Was wollte er denn?“, „Das wusste ich nicht.“

Das Präteritum ist jedoch die Zeitform der geschriebenen, gehobenen Erzählung schlechthin. Hier greift der Autor Vergangenes auf, um es dem Leser nahe zu bringen. Das Präteritum vermittelt Nähe und Distanz zugleich. Vergangenes wird aus der Distanz betrachtet. Es bringt Vorgänge, die in der Vergangenheit spielen, in unser Bewusstsein. Es vermittelt den Eindruck, dass etwas nicht mehr ist und trotzdem noch geschieht, während wir lesen. Wir schweben in unserer Fantasie. Momentane Eindrücke werden zu der Impression des Erlebten.

Das Perfekt

drückt ein vergangenes Ereignis aus, das noch in die Gegenwart hineinwirkt: „Du hast mir ja gar nicht zugehört“, schimpft die Mutter mit dem Sohn.

Die Folgen der vergangenen Unaufmerksamkeit des Kindes betrifft die Mutter noch immer in der Gegenwart. Das Perfekt vermittelt die Betroffenheit des Sprechers. In dieser Zeitform kann der Autor Vergangenes loben: „Es hat großartig geschmeckt.“

verurteilen: „Dieses Buch hat mir überhaupt nicht gefallen.“

bekennen: „Ich habe Mist gebaut, ich weiß.“

Verteidigen: „Das habe ich nicht gewußt.“

Das Perfekt verbündet sich mit der Gegenwart, wobei das Präteritum das Geschehen von der Gegenwart trennt.

Das Plusquamperfekt:

die Vorvergangenheit, erkläre ich hier gleich mit einem Beispiel: „In der Morgenfrühe stand Tanja vor der Ladentüre und kramte in der Tasche, aber sie konnte den Schlüssel nicht finden. (Bis hierhin Präteritum). Sie hatte ihn wohl zuhause vergessen, weil sie spät dran und so in Eile gewesen war. (Plusquamperfekt)

Hier ist klar, dass die Haupthandlung in der Morgenfrühe beginnt. Der Hinweis auf das Geschehnis bevor dieser Morgenfrühe dient nur dazu, die Szene abzurunden.

Da Plusquamperfekt dient auch als Rückblende, jedoch wird es dabei sehr sperrig. Wenn der Autor in jedem Satz „hat“ und „hatte“ wiederholt, wird das sehr lästig:

„Laut schnäuzte sie ins Taschentuch. Warum bloß hatte er nicht auf sie gehört? Immer hatte sie Hans gesagt, dass er die Sicherheitsgurte anlegen soll. Aber jedes Mal hatte er gelacht und ihre Bitte mit einem Schulterzucken weggeschlagen. „Ich weiß, wie man Auto fährt. Mir passiert schon nichts“, hatte er dann immer gesagt. Hans hatte immer gedacht, dass der Tod für ihn nicht gilt.“

Zum Glück gibt es da einen wunderbaren Kunstgriff. Die Aufgabe des Plusquamperfekt ist es, ein Zeitverhältnis einzurichten. Wenn es das getan hat, kann es wegfallen. Das heißt, die Rückblende beginnt im Plusquamperfekt, damit der Leser versteht, dass das Geschehene sich vor der eigentlichen Handlung zugetragen hat. Wenn sich diese Rückblende also in die Länge zieht, so fügt Autor einfach einen Absatz ein und macht sich dem Präteritum wieder dienlich:

(Präteritum): Laut schnäuzte sie ins Taschentuch. (Plusquamperfekt): Warum bloß hatte er nicht auf sie gehört?

(Nach dem ersten Plusquamperfekt ein Absatz, um das Präteritum wieder einzuleiten): Immer und immer wieder sagte sie Hans, dass er die Sicherheitsgurte anlegen soll. Aber jedes Mal lachte er und schlug ihre Bitte mit einem Schulterzucken ab. „Ich weiß, wie man Auto fährt. Mir passiert schon nichts“, war seine übliche Antwort.

(Und mit einem Absatz zurück ins Plusquamperfekt, um die Rückblende abzuschließen): Hans hatte immer gedacht, dass der Tod für ihn nicht gilt.

Dieser schriftstellerische Kniff darfst du nicht unüberlegt anwenden. Rechtfertigt die Ausdehnung der Rückblende diese Methode? Und du musst das Gespür dafür haben, wo die Trennwand zwischen Präteritum und Plusquamperfekt am besten passt bzw. logisch ist. Der Schwenk muss dem Leser natürlich erscheinen und darf ihn nicht verwirren, wo wann was und warum passiert.

Das Futur I:

verwenden wir, um ein Geschehen in der Zukunft zu schildern. Jedoch kannst du im manchen Fällen das Präsens anstelle des Futurs verwenden: „Anfang März reisen wir nach Kanada.“ „Das Haus streiche ich, wenn ich aus den Ferien zurück bin.“ In diesen beiden Fällen weist die Zeitangabe ohnehin auf die Zukunft hin bzw. ein künftiges Ereignisse wird ganz sicher geschehen, deshalb macht hier das Präsens Sinn.

Außer, die Zukunft vorauszusagen hat es noch eine andere Aufgabe: Es kriegt einen Auftritt in Befehlen und Vermutungen: „Unmöglich, du wirst dich wohl irren.“ „Meine Mutter geht nicht ans Telefon, sie wird wohl unter der Dusche sein.“ „Wirst du jetzt schlafen gehen!“ „Wirst du nun endlich mit dem Unsinn aufhören!?“

Das Futur II:

spricht von einem abgeschlossenen Geschehen, das noch nicht stattgefunden hat: In einer Stunde wird der Zug abgefahren sein, dann ist es zu spät.“

Oder es beschreibt ein Geschehen, das im Sinne einer Vermutung vollständig abgeschlossen ist: „Er wird den Anruf wohl nicht erhalten haben, ansonsten wäre er nicht so mies gelaunt.“

Die beiden Futurformen sind eher selten und eher umständlich. Anstelle des Futur I können wir das Präsens mit einer Zeitangabe verwenden: „Morgen gehe ich nicht zur Arbeit (klingt genauso logisch wie: „Morgen werde ich nicht zur Arbeit gehen“).

Eine Vermutung kann mit einem Adverb ersetzt werden wie: wahrscheinlich, sicherlich, bestimmt etc.

Das Futur II kannst du mit einem Perfekt ausdrücken. Das erspart eine grausige Anhäufung von Hilfsverben: „Morgen um diese Zeit habe ich die Prüfung hoffentlich bestanden.“ (Anstatt: „Morgen um diese Zeit werde ich die Prüfung hoffentlich bestanden haben.“)


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