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Flucht aus Lager 14


Von Blaine Haiden

„Ich kannte kein Mitleid oder Traurigkeit. Im Lager 14 hat man uns von Geburt an gelehrt, keine normalen menschlichen Gefühle zu empfinden. Manchmal versuche ich wie andere Leute zu weinen und zu lachen, nur, um zu sehen, ob es sich nach irgendetwas anfühlt. Jetzt, da ich frei bin, lerne ich, emotional zu sein. Ich fühle, wie ich von einem Tier zu einem Mensch werde.“ Shin Dong-Hyuk

Shin Dong–Hyuk ist in einem Arbeitslager in Nord Korea geboren worden und kannte bis zum Tag seiner Flucht im Alter von 21 Jahren keinerlei Freude. In seiner Mutter sah er nicht mehr als eine Wettstreiterin im Kampf um Nahrung, seinen Vater verachtete er, weil er ihm die Schuld gab, in diesem Lager leben zu müssen. (Manche Straftaten der Koreaner werden über drei Generationen lang bestraft.) Zu seinem Bruder hat er keine Beziehung, sieht ihn kaum, weil er in einer anderen Abteilung arbeitete. Überhaupt liessen die Wächter keinen Versuch ungelassen, die Gefangenen gegeneinander aufzuhetzen, einander zu verraten und sogar Strafen auszuteilen. Freundschaften und gegenseitiges Vertrauen ist im Lager 14 kaum bis gar nicht möglich. Die Methoden der Wächter, die Leben der Gefangenen so grausam und unerträglich wie möglich zu gestalten, sind unvorstellbar und für uns verwöhnte Westler nur sehr schwer zu verstehen, wie Menschen so brutal sein können. Seit seiner Geburt hat Shin tagtäglich am Rande des Hungertodes gelebt und der Drang zu fliehen, kam nicht daher, dass er frei sein wollte oder weil er die Welt ausserhalb des Zaunes sehen wollte. Nein, sein höchstes Ziel war es, seit - ein Mann ihm im Lager ausführlich davon erzählt hat - all das köstliche Essen zu probieren, das die Welt zu bieten hat. (Wobei ich mich frage, wie Shin reagiert hat, als er zum ersten Mal in seinem Leben übergewichtige Menschen gesehen hat.)

Doch dem Ausbruch folgte kein Happy End. Er musste feststellen, dass auch die „freien“ Nord-Koreaner hungern und arm sind, sich von Abfällen ernähren, stehlen und betteln müssen, und dass auch sie von der Regierung tyrannisiert werden.

Nord Korea ist heute das einzige Land, das noch komunistisch regiert wird. Kim Jong-un ist der Welt letzter Diktator. Seine Familie hält das Land seit dem Ende des zweiten Weltkrieges in einem eisernen Griff fest. Sie schert sich einen Dreck um das Wohlergehen seiner Bürger, denn sie glauben, nur durch Gewalt, Unterdrückung und Hunger können sie die Menschen kontrollieren.

Shin gelangt nach China und von dort nach Süd-Korea, dann nach Amerika. Es fällt ihm sehr schwer, sich anzupassen, Freunde zu finden, Vertrauen zu seinen Mitmenschen aufzubauen. Er leidet unter post-traumatischem Stress, hat Albträume und Depressionen, weil er sich für den Tod seiner Mutter und seinem Bruder die Schuld gibt. Ihre Hinrichtung hatte er als Kind mitanschauen müssen, nachdem er den Wächtern verraten hatte, dass die beiden zu fliehen gedachten.

Und erst in Amerika lernt er, dass die Eltern Menschen sein sollten, die ihre Kinder lieben und versorgen. Und dass ein Sohn genauso für seine Eltern empfinden sollte. Er befürchtet, dass er in seinem Herz und Verstand ein Leben lang Gefangener von Lager 14 sein wird.


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