Zehn Tipps, um Ideen zum Schreiben zu finden:

 

1. Schreibe über die Dinge, die dich interessieren, wobei wir schon zu Punkt 2 und 3 kommen:

 

2. Lese entprechende Sachbücher darüber und mach dir Notizen von allem was dich fasziniert, was du in einer Geschichte einbauen könntest, was du willst, dass die Menschen unbedingt davon wissen.

 

3. Schaue dir ebenso entprechende Dokumentationsfilme an und schreibe alles nieder, dass dir wichtig scheint.

4. Liese Zeitungen und Magazine, da finden sich immer verblüffende Stories.

 

5. Lies Biografien von Menschen, die dich faszinieren.

 

6. Schreibe Tagebuch. Da lernst du, deine Gefühle, Emotionen und die 5 Sinne in Worte zu fassen.

 

7. Oder vielleicht kann auch nur ein Foto, ein Bild, ein Gemälde, ein Graffiti oder die Zeichnung eines Kindes dich inspirieren.

 

8. Mundß-zu-Mund erzählungen. Höre den Menschen, die mit dir reden, stets aufmerksam zu und wenn sie mit ihrer Geschichte tatsächlich deine Aufmerksamkeit erregt haben, Frage viele, viele Fragen darüber.

 

9. Träume! Ich weiss ja nicht, wie das bei dir ist, aber meine Träume sind echt verrückt, beängstigend, verwirrend... so manche wären Stoff für eine Horrorgeschichte gewesen.

 

10. Und wenn all das dich noch immer nicht inspiriert, dann starre halt einfach eine Wand an. Das hilft manchmal auch.

 

 

 

Zwanzig und mehr Tipps, um eine ausdrucksstarke Figur zu entwerfen:

 

Schreibe folgende Aspekte so ausführlich wie möglich nieder:

 

1. Vorname, Name

 

2. Alter

 

3. Haare

 

4. Gesichtszüge

 

5. Kleidung

 

6. Gesten

 

7. Angewohnheiten

 

8. Sprechweise

 

9. Schwächen/Stärken

 

10. Neigungen

 

11. Träume und Hoffnungen

 

12. Änste

 

13. Geistige Entwicklung während der Geschichte

 

14. Das tut er/sie gerne, das tut sie/er nicht gerne

 

15. Das bringt sie/ihn zum lachen, das bringt ihn/sie zum weinen

 

16. Schlüsselrolle in der Geschichte

 

17. Familienhintergründe

18. Erfahrung, die ihn/sie am meisten geprägt hat

 

19. Wie sie/er auf andere Menschen wirkt

 

20. Wie er/sie andere Menschen behandelt

 

21. Erinnerungen an die Vergangenheit

 

22. Gedanken an die Zukunft

 

23. ......

 

Du musst nicht alle Aspekte integrieren, aber mit einer solchen ausführlichen Beschreibung deiner Figuren ist das Buch schon halb geschrieben, denn ich finde, dass es hauptsächlich die Figuren sind, die eine Geschichte interessant machen, vorantreiben, ihr Spannung geben. Du kannst einen Roman lesen, in dem keine Seite vergeht, auf der nicht was aufregendes geschieht, aber wenn die Figuren darin dünn sind, langweilig, ihre Handlungen keinen Sinn ergeben oder sie nicht viel von ihrem Innenleben und ihrer Vergangenheit preisgeben, dann ist die Geschichte nicht viel wert.

Wenn du nicht alle Punkte beantworten kannst – mach’ dir nichts draus, denn die meisten oder alle Figuren entwickeln irgendwann ein Eigenleben und während du dem roten Faden der Geschichte folgst, kommen andere Charakterzüge, von denen du vorher nichts geahnt hast, plötzlich und ganz natürlich zum Vorschein.

Viel Spass!

 

 

 

Tipp für erfolgreiches Schreiben:

 

BEREICHERE DEINEN WORTSCHATZ!

 

Wann immer du ein Buch liest, dessen Schreibstil dir besonders gefällt, mache Notizen von gut konstruierten Sätzen, besonderen Wörtern, lebhaften Beschreibungen, fesselnden Dialogen etc. Fertige dafür eine Liste an. Ich ordne die Notizen unter folgenden Stichwörtern:

 

- Negative Emotionen (Der Welt müde sein.)

 

- Positive Emotionen (In einem Taumel der Begeisterung.)

 

- Die fünf Sinne (Ein betäubender Gestank. Ein schaler Geschmack auf der Zunge.)

 

- Blicken, sehen (Die Augen in die Ferne gerichtet. Sie tauschten bedeutungsvolle Blicke.)

 

- Gesten (Er nickte und lächelte halbherzig.)

 

- Angst (Ein Schrecken nistete in ihrem Herzen.)

 

- Aussehen (Er hatte lederne Haut.)

 

- Stimme, reden (Seine Stimme war brüchig vom Alter.)

 

- Besondere Wörter (Sorgengespinste. Flickwerk. Unheilsdinge.)

 

- Träume, Hoffnungen (Aus Traumfäden gewoben. Sie spürte, wie Hoffnung ihr Herz füllte.)  

 

- Metapher, Sinnbilder (Der Tod war nur ein Witz und die Unendlichkeit ein Wimpernschlag. Die Frauen flogen von Wand zu Wand wie Fliegen in einer Flasche.)

 

- Dunkelheit, Düsternis (Ein Raum voller Schatten.)

- Licht (Zweifelhafte Lichter.)

 

- Farben (Flammendrot wie Herbstlaub. Seegrün.)

 

- Tod, sterben (Die Atempause des Sterbens. Der Tod belauerte ihn bereits.)

 

- Gedanken, Denken (Den Gedanken Form und Farbe geben. Die Überlegungen besänftigten sie im Stillen.)

 

- Anmut, Schönheit (Eine galante Verbeugung.)

 

- Stimmung (Die Welt ist eine raue Wüste.)

 

- Arbeit, sich abmühen (Endlose Plackerei.)

 

- Schmerzen (Schmerzen pulsierten.)

 

- Zeit (Die Zeit dehnte sich. Lange Jahre wurden immer länger.)

 

- Wetter (Stürme klatschten gegen ihren Leib.)

 

- Müdigkeit (Die geringe Anstrengung wurde zur Plage.)

 

- Feuer (Funkengarben stiegen aus dem Feuer empor.)

 

- Gebäude (Eine monumentale Architektur.)

 

- Stille (Über allem lag vollkommenes Schweigen.)

 

- Beschreibungen von der Natur und Landschaften wie Hügeln, Höhlen, Meer, Wüste, Berge, Wald etc.

 

- Kälte (Die Kälte kroch ihren Rücken hinauf.)

 

- Hitze (Hitze stieg in sein Gesicht.) 

 

- Hass (Sie hatte für ih nichts als kalte Verachtung übrig.)

 

- .......

 

Und du kannst diese Liste beliebig und bis ins Endlose weiterführen!

 

 

Tipp des Tages für’s Schreiben:

 

KEINE ANGST VOR DEM WEISSEN BLATT!

 

Aller Anfang ist schwer, das wissen wir alle. Falls du dich also vor einem weissen Papier fürchtest, das dich mit Nackheit vorwurfsvoll anstarrt, dann versuche mal folgendes: Verwirf den Vorsatz, jetzt einen tollen Text oder einen Bestseller zu schreiben. Stattdessen, nimm dir vor, das weisse Blatt einfach mit schwarzer, roter oder welche Farbe Tinte auch immer, zu füllen. Von der linken oberen Ecke bis zur rechten unteren Ecke. Es spielt dabei keine Rolle, ob das Geschriebene einen Sinn ergibt oder nicht. Reihe einfach einen lächerlichen Satz nach dem anderen aneinander, ein wahlloses Wort nach dem anderen. Was dir gerade spontan in den Sinn kommt. Auch die Satzzeichen kannst du beliebig einsetzen oder gleich ganz weglassen. Verschwöre dich gegen deinen inneren Kritiker und gegen die Frau Grammatik. Schreibe völlig verrückte Sätze! Du wirst staunen, welch’ witzige Abartheiten dabei zustande kommen können, und wer weiss, vielleicht sogar eine Idee, den Anfang oder auch den Schluss einer Kurzgeschichte oder eines Romans.

 

 

Tipp Nr. 5:

 

SCHREIBE ANSCHAULICH, BESCHREIBE GENAU!

 

Nichts ist schlimmer als ein Text mit verbrauchten Metaphern und Sinnbildern, endlosen Aufzählungen, der Übergebrauch an Adjektiven und wenn man das Gefühl hat, diese Wörter, Sätze, Szenen schon einmal in einem anderen Buch gelesen zu haben.

Ich liebe es, Beschreibungen zu lesen – wenn sie frisch und lebhaft sind. Aber dies als Schreiber hinzukriegen, ist nicht immer einfach.

Sprich alle fünf Sinne an!

Welche Geräusche geben der Szene einen Klang? Welcher Geruch? Und nicht nur: es stinkt, es riecht gut. Genauer! Details! Was sehen die Augen und wie fühlt der Sehende bzw. die Figur sich mit beschriebenen Umständen? Und hier ganz wichtig: Jeder Mensch sieht die Welt anders! Passe die Wahrnehmungen der Umwelt jeweils der entsprechenden Figur an.

Und nicht nur das Esse, sondern auch Gefühle können einen Geschmack haben. Trauer kann gallig schmecken, Wut bitter, Liebe süss – na gut, nun mache ich mich schuldig, klischeehaft zu schreiben ;-)

 

 

 

Tipp Nr. 6:

 

EINFACHE WORTE, KLARE GEDANKEN

 

„Die größte Macht hat das richtige Wort zur richtigen Zeit.“ Mark Twain.

 

Lieben wir sie nicht alle, diese starken Reden der Helden in Filmen? Theoden König, wie er die Rohirrim anfeuert, um sich mit Mut im Herzen in die Masse aus Orks zu stürzen. Und genauso schön tut es auch Aragorn. Obwohl die Chance auf Tod garantiert und die Aussicht auf Sieg kaum existent ist, fassen sich die Menschen von Mittelerde ein letztes Mal ein Herz, um für ihre Freiheit zu kämpfen – und all das, weil die beiden Könige sie mit gewaltigen Reden ermuntert haben.

Andere weltberühmte Redner waren Martin Luther King, Abraham Lincoln und Adolf Hitler. Politiker, um die Nation auf ihre Seite zu ziehen.

Die meisten Menschen glauben, dass Geld die wahre Macht ist, aber was nützt all das Geld eines Politikers, wenn er die Menschen nicht dazu bewegen kann, ihn zu wählen? Und gewählt wird er, in dem er vor dem Volk mitreissende Reden hält.

Ja, ganz klar, so meine ich, die gewaltigste Waffe der Menschheit ist das gesprochene und geschriebene Wort. Worte können verletzen und heilen, traurig und glücklich machen, verärgern und erfreuen.

Und diese Macht machen wir Autoren uns tagtäglich zu nutzen. Was ist also hierzu mein heutiger Tipp?

Ordne deine Notizen und Gedanken, die du für eine Geschichte hast. Gliedere sie in Anfang, Mittelteil und Schluss. Wäle dann eine frische, einfache Sprache, um die Szenen und Figuren darzustellen. Details sind wichtig, aber habe acht, dass du dich nicht darin verlierst! Details sind nötig, aber nur, wenn diese auch die Handlung voran treiben. Versuche nicht, beim Leser mit Fremd- und Fachwörtern und sonst ungebräuchlichen Audrücken zu protzen. Falls du jedoch nicht darum herum kommst, ergreife die Chance, diese Begriffe zu erklären – in einem Sachbuch mit einer Fussnote, in einem Roman könnte eine Figur, die sich in diesem Feld auskennt, einer anderen Figur eine Erklärung abgeben.

Stelle dir vor, du wärst selbst eine Figur in deiner Geschichte. Wie dann würdest du die Umgebung, die Umstände etc. schildern? Wahrscheinlich nicht mit Protzwörtern.

 

Tipp Nr. 7

 

WÖRTER SPIELEN KLÄNGE, SÄTZE HABEN RHYTHMEN, TEXTE KLINGEN WIE HARMONIEN, DIE SPRACHE IST MUSIK

 

Wie unsere Ohren bei Misstönen in der Musik registrieren, so bemerken wir auch beim lesen, ob der Rhythmus eines Textes stimmt oder nicht. Deshalb ist es wichtig, das Geschriebene bein Überarbeiten laut zu lesen. Das ist die beste Methode, um Füllwörter, unpassenden Wörtern, zu langen oder zu kurzen Sätzen, die den Lesefluss hemmen, auf die Schliche zu kommen. Wörter haben also nicht nur eine Bedeutung, sondern auch einen Laut bzw. Klangwert. Diese Aspekte machen den eigenen Schreibstil aus.

Die Vokalen a, o, u, rufen eine ruhige, finstere Stimmung hervor, wobei die hellen Vokale dagegen heiter sind und erregen. Diese Methode benutze ich oft beim Namen-erfinden in meinen Fantasy-Romanen. Das Geheimnis von schön klingenden Namen sind viele Vokale – Elexandale, Kiathira, Najuri, Brielle, Lettey (Namen mit vielen hellen Vokalen). Der Name des Bösewichts in meinem Buch „Die Chroniken von Elexandale“ ist Tochor, die beiden O’s geben dem Namen eine düstere Charakteristik. Liese hierfür die Romane von Tolkien. Er hatte ein unglaubliches Talent, klangvolle Namen zu erfinden. Seine Bösewichte heissen Morgoth und Sauron, O’s und U’s, die dunklen Vokalen.     

Wenn ein bestimmtes Wort nicht so richtig in den Satz zu passen scheint, dann versuche, diese mit Synonymen zu ersetzen.

Was auch immer eine starke Wirkung hat, ist, Wörter in einem Satz aneinander zu reihen, die mit denselben Buchstaben anfangen, z.B. die geläufigen Wendungen ‚Mann und Maus’, ‚Kind und Kegel’, ‚Glanz und Gloria’ oder der Name eines Kapitels in „Die Chroniken von Elexandale": ‚Feuer und Freiheit’.

 

Tipp Nr. 8

 

DIE 5 FORMELEMENTE DES SCHREIBENS – TEIL 1

 

„Erzählen, beschreiben, erklären, begründen, Dialog“

 

Erzählen

 

Eine Erzählung sollte sich von einem Bericht unterscheiden. Berichte sind, was Journalisten verwenden. Sie befassen sich mit den 5 W-Fragen: Wer? Was? Wo? Wie? Weshalb?

Wer hat das Feuer gelegt und wer sind die Opfer? Was ist abgebrannt, was ist passiert? Wo genau hat es gebrannt? Wie wurden die Opfer gerettet? Weshalb hat der Täter das Haus in Brand gesteckt? Etc.

Ein Bericht basiert auf Fakten und Daten, schildert die Handlung in groben Zügen, die Information steht im Mittelpunkt.

Wo der Bericht eines Journalisten aufhört, beginnt die Erzählung eines Autors. Dieser geht den Motiven genauer auf den Grund: Der Täter ist ein Pyroman. Wie kam es dazu? Schwere Kindheit? Und zudem hegt er einen Groll auf die Leute, die in dem Haus leben. Wie kam es dazu? Hohe Schulden? Mord? Rache? Was geschieht als nächstes?

Und schon ERZÄHLT man eine Geschichte.

 

Man könnte beim Erzählen folgendem Schema folgen:

 

1. Man enthüllt seinen Entschluss (Ich werde um die Welt reisen.)

2. Dann erklärt man seine Motive (Ich habe so viel Geld und würde es lieber für mich

ausgeben, als euch Balgen vererben.)

3. Begründung (Ich habe Krebs und will es noch einmal so richtig sausen lassen, bevor ich sterbe.)

4. Evtl. 2. Enthüllung (Ich habe zudem alle meine Besitztümer verkauft und das Geld wohltätigen Zwecken gespendet.)

5. Beschreiben, erzählen (Der verrückte Papa schweift ab in Tagträumereien, wo er überall hin will, tun will und sehen will. Aber bis dahin hört ihm wohl keiner mehr zu, denn die ganze Familie ist sauer auf ihn.)

6. Der überzeugende Beweis seines Entschlusses am Schluss (Da kannst du dir selber was ausdenken.)

(7. Schlussfolgerung)

 

Daraus folgt: Seelenvorgänge, Gedanken und Gefühle werden dargelegt, seine Situation anschaulich beschrieben, Probleme erklärt ...

 

 

 

Tipp Nr. 9

 

DIE 5 FORMELEMENTE DES SCHREIBENS - TEIL 2

 

Das Beschreiben

 

Das Beschreiben darf nie zu einem Registrieren werden. Einfach nüchterrn die Dinge so darzustellen wie sie sind, langweilt den Leser und zeugt von Faulheit des Autors. Hierzu ein Beispiel:

 

Das Zimmer ist quatratisch, die Wände weiss angestrichen. An der Wand unter dem Fenster steht ein Schreibtisch, dem gegenüber ruht ein Bett. Die Glühbirne an der Decke flackert, sie gibt wohl gleich den Geist auf.

 

Gäään! Und ich als Leser auch!

Deshalb, und wie schon in einem früheren Tipp erwähnt: Mit allen 5 Sinnen beschreiben, und auch mit dem 6. Sinn. Welcher das ist? Die Vorahnungen, zum Beispiel. Eine Vorahnung, dass gleich etwas schlimmes passieren wird, dass ein Unheil im Anzug ist, übernatürliche Wahrnehmungen, das Gefühl, das etwas nicht stimmt etc.

Doch mit den 6 Sinnen ist es die gute Beschreibung noch nicht dahin gezaubert. Eine anschauliche Beschreibung stellt immer einen Bezug des Autors, Erzählers, der Figur, zu den Dingen und der Umgebung dar.

Details sind wichtig, aber nur bei Dingen und Menschen, die in der Geschichte eine (wichtige) Rolle spielen.

Eine Beschreibung ist dann am effektvollsten, wenn sie ein Stimmungsbild schafft, wenn die Atmosphäre eines Ortes eingefangen wird – und diese wird auf jene Art intepretiert, wie sich der Agierende darin fühlt.

Klingt zu technisch? Hier ein Beispiel: Du befindest dich an einem Strand in Hawai, alles ist postkartenperfekt: Türkisblaues Meer, Sand so fein wie Samt, junge, heisse Frauen/Männer... aber all das ist Scheisse, wenn du dich mit dem schhlimmsten Kater deines Lebens dort wiederfindest. Du nimmst die Umgebung durch den üblen Zustand deines Körpers und deines Geistes wahr, und dementsprechend beschreibst du diesen Strand auch so – die Sonne ist zu grell und tut weh in deinen Augen. Das  ewige Rauschen des Meeres geht dir au die Nerven und den kreischenden Möwen möchtest du am liebsten den Hals umdrehen. Die schönen Männer/Frauen interessieren dich nicht, denn von denen hattest du letzte Nacht genug und war nicht die Schuld deines Dates, dass du dich so blödsinnig betrunken hast?

Besonders die Beschreibungen von Landschaften stehen oft in enger Beziehung zum Innenleben der Figur, hier werden Dinge angedeutet, kontrastiert und gespiegelt.

 

Tipp Nr. 10

 

DIE 5 FORMELEMENTE DES SCHREIBENS - TEIL 3

 

Der Dialog

 

Dieser Teil ist sehr lang geworden, den Dialoge zu schreiben kommt einer Kunst gleich. Sie sind, so finde ich, der wichtigste Teil einer Geschichte, denn sie treiben die Handlung voran, lockern einen langen Absatz auf und zeigen das Innenleben der Figuren. Dialoge schreibe ich am allerliebsten. Aber kommen wir zur Sache:

 

So, du hast deine Figuren von A-Z entworfen, du hast den Ort, in dem sie agieren, sinnbildlich dargestellt und alles schön in Szene gesetzt wie ein Regisseur beim filmen. Aber jetzt musst du deine Figuren auch zu Worten kommen lassen, ihnen eine eigene Stimme verleihen und eine ganz eigene Art zu sprechen. Doch das blosse aufschreiben, was die Leute sagen, macht einen Dialog monoton.

Alles will in Szene gesetzt werden, jedoch sollte der Autor die verschiedenen Formen des Dialoges kennen und diese entsprechend anwenden. Es gibt den Dramendialog (z.B. ein Theaterstück oder ein Drehbuch) und es gibt den Erzähldialog. Leute sprechen im Akzent, sie stottern, sie unterbrechen ihre Sätze mit vielen ‚Ähems’ und ‚Ööös’, und sie reden mit sich selbst. Schauspieler benutzen Mimik. Gestik, Stimme und Handlungen, um ihrem Charakter Leben einzuhauchen. Ein Autor muss das alles mit Worten hinkriegen. Und hier kommt der Erzähldialog zum Einsatz. Dieser braucht einige Zutaten, um die Fantasie des Lesers anzurgen und ein Bild von der Szene zu machen und den agierenden Personen hervor zu rufen.

Zwischen den Reden fügt der Autor beschreibende Elemente ein, um dem Dialog Kontur zu geben. Es werden Redepausen gemacht, mit den Schultern gezuckt, eine Zigarette angezünden, vor sich hingestarrt, ein Brötchen gestrichen, ein Kinn gekratzt, in der Nase gebohrt ... was auch immer typisch für die Sprechweise der Figur ist oder zu der jeweiligen Situation bzw. Szene passt. Ein Satz führt zum nächsten, Figuren stellen sich durch ihre Worte vor.

Doch manchmal verlangt eine bestimmte Szene einen Dialog, in dem Gegenrede auf Rede folgt. Der Dialog gewinnt so an Tempo, Schlag auf Schlag wie in einem Boxkampf, und hier können die eher lästigen ‚sagte sie’ und ‚antwortete er’ wegfallen – sofern stets klar ist, wer den gerade spricht.

Die Aufgabe des Dialoges besteht auch darin die Handlung voranzutreiben, er sollte immer einen bestimmten Zweck erfüllen. Und er soll natürlich wirken – unvollständige Sätze und Wortfetzen, wir wiederholen uns, zögern, denken nach, verplappern uns, fallen uns gegenseitig ins Wort, wir heben die Stimme oder senken sie zu einem Flüstern.

Das Paradoxe ist jedoch, dass ein Dialog zwar echt und natürlich klingen muss, aber doch nicht zu wirklichkeitsgetreu. Er darf nicht so klingen, als hätte man ein aufgezeichnetes Gespräch Wort für Wort aufgeschrieben. Das wiederum würde künstlich klingen und vorallem langweilig. Ein Gespräch besteht nicht nur aus Worten, sondern auch aus gestikulierenden Händen, bösen Blicken und falschen Lächeln. Auch soll es nicht so klingen, als würde die Figur einen langen, schönen und ausgefeilten Satz von einem Blatt Papier ablesen.

Hierzu die wichtigsten Tipps zusammengefasst:

  • Entwirf die Figuren zuerst!

Damit deine Figuren sich selbst werden können, musst du sie in- und auswendig kennen. Du musst wissen, wie sie sich in bestimmten Situationen fühlen und sich verhalten, was sie denken, wie sie reagieren und handeln.

 

  • Verfasse einen natürlichen Dialog!

Er soll zufällig wirken und nicht, wie von einem Textbuch abgelesen. Doch bedenke! Mag ein literarisches Gespräche noch so echt wirken, schlussendlich ist es doch stilisiert. Hierbei kannst du folgende Dinge in den Dialog einbauen (hüte dich jedoch davor, den Text damit zu überladen): Ausdrücke aus der Umgangssprache, Dialekt, Lieblingswörter und andere Eigentümlichkeiten des Sprechenden, Szenensprache etc.

 

  • Spannung muss unbedingt sein!

Vermeide Höflichkeitsfloskeln und bloße Konversationen. Zeige stattdessen die Beziehung jener Menschen, die miteinander reden, flüstern, streiten, lachen, weinen. Dafür gibt es kein besseres Werkzeug als den Dialog. Folgende Werkzeuge kannst du dir zunutze machen, um Spannung zu erzeugen:

  • Rasche Wechselrede

  • Andeutungen

  • Plötzliche Wendungen

  • Enthüllungen

  • Die Figuren handeln anders als sie denken, fühlen, sagen.

  • Wähle die passende Zeitform!

Präteritum: „Gestern sprach ich mit meinem Lehrer.“ Klingt im Dialog gekünstelt. Die wenigsten Menschen gebrauchen im Gespräch diese Zeitform, am allerwenigsten Kinder und Schweizer.

Perfekt: „Gestern habe ich mit meinem Lehrer gesprochen.“ Die im Dialog umgänglichste Zeitform.

Oder im Präsens geht’s auch: „Treff ich doch gestern meinen Lehrer im Supermarkt.“

 

  • Bitte, bitte, bitte keine überflüssigen Adverbien!

Sie können echt nerven, nicht nur im Dialog, sondern allgemein in Texten. Adverbien heißt auch „Umstandwörter“ und umständlich sind sie tatsächlich. Aussagen wie „rief er vorwurfsvoll“, „antwortete sie gereizt“, „erwiderte er erleichtert“, „sagte sie schüchtern“ sollten gestrichen werden, denn diese Aussagen kann man im Gespräch sichtbar machen.

 

  • Spare auch an Sprechverben!

Worte wie „sagte“, „antwortete“, „fragte“ sollten nur nach jeder Äusserung stehen, wenn mehrere Personen teil an dem Gespräch haben, damit stets klar ist, wer gerade das Wort hat. Sind es aber nur zwei Sprecher, können diese Wiederholungen störend sein. Stattdessen sollten hier Gegenrede auf Rede folgen, welche immer auf einer neuen Zeile beginnen, ab und zu mit einer Geste oder einer Handlung unterstrichen werden kann und um deutlich zu machen, wer gerade spricht oder um einen Charakterzug zum Vorschein kommen zu lassen: „Wo sind meine Schlüssel?“ Alfred schaute wie wild um sich.

 

  • Bevor du beginnst,

solltest du dir überlegen, in was für einer Situation sich die Figuren befinden und welches Ziel der Dialog verfolgt. Du kannst dann den Verlauf des Gespräches in Rede und Gegenrede aufschreiben und die Form erst außer Acht lassen. Erst im zweiten Schritt kannst du dann die Zutaten beifügen.

 

  • Lese den Dialog laut!

Dabei ist es lustig, mit verschiedenen Stimmen zu sprechen und sich wie ein Schauspieler in die einzelnen Rollen hineinzufügen. Dabei wirst du sofort hören, ob ein Gespräch echt klingt oder nicht.

 

 

 

 

 

Tip Nr. 11

 

GRAMMATIK FüR DIE EINGEROSTETEN - TEIL 1

 

Es gibt neun Wortarten:

  1. Das Tätigkeitswort, auch Zeitwort oder Verb genannt: Springen. Schlafen. Essen.

  2. Das Hauptwort, auch Nennwort oder Substantiv genannt: Hund. Traum. Farbe.

  3. Das Geschlechtswort, auch Artikel genannt: Der. Die. Das. Eine. Einer.

  4. Das Fürwort, auch Pronomen genannt: Ich. Du. Euer. Seiner. Dieser. Welche. Wer.

  5. Das Eigenschaftswort, auch Adjektiv genannt: Klein. Traurig. Gelb.

  6. Das Umstandswort, auch Adverb genannt: Teilweise. Darum. Bisher.

  7. Das Verhältniswort, auch Präposition genannt: An. Außerhalb. Trotz.

  8. Das Bindewort, auch Konjunktion genannt: Und. Entweder. Oder. Dass.

  9. Das Ausrufewort, auch Interjektion genannt: Ah! Pst! Pfui!

 

Ehre das Verb!

Das Verb ist des Autors bester Freund, denn es ist der Motor der Sprache, die treibende Kraft eines Textes, es verleiht einem Substantiv Leben. Ein Verb als ein einziges Wort kann so vieles mitteilen: was und wann etwas geschieht und wer etwas tut.

Die Konjugation eines Verbs:

 

Numeri (Zahlform)

  1. Singular (Einzahl): Ich schreibe. Er liest.

  2. Plural (Mehzahl): Wir schreiben. Sie lesen.

 

Tempora (Zeitformen)

  1. Präsens: Ich schreibe. Sie lesen.

  2. 2. Präteritum: Ich schrieb. Sie lasen.

  3. Perfekt: Ich habe geschrieben. Sie haben gelesen.

  4. Plusquamperfekt: Ich war gegangen. Sie hatten gelesen.

  5. Futur I: Ich werde schreiben. Sie werden lesen.

  6. Futur II: Ich werde geschrieben haben. Sie werden gelesen haben.

 

Genera (Verbgeschlechter)

  1. Aktiv: Ich kaue. Sie kauen.

  2. Passiv: Es wird gekaut.

 

Modi (Aussageweise)

  1. Indikativ (Wirklichkeitsform): Ich gehe.

  2. Konjunktiv (Möglichkeitsform): Ich ginge (Ich würde gehen)

  3. Imperativ (Befehlsform) Geh! Geht! Gehen sie!

 

Nominalform ( unbestimmte Form)

  1. Infinitiv (Nennform):

Präsens: Schreiben. Lesen. Gehen.

Perfekt: Geschrieben haben. Gelesen haben. Gegangen sein.

  1. Partizip (Mittelword)

Präsens: Lesend. Schreibend. Gehend.

Perfekt: Gelesen. Geschrieben. Gegangen.

 

Keine Macht dem Infinitiv und dem Partizip!

Ein Wörterbuch zeigt ein Verb immer im Infinitiv (Nennwort): putzen, liegen, kochen.

Sie Enden immer auf –en, sie sagen nicht über die Person, die Zahl und Geschehens- und Ausgangsweise. Der Infinitiv wirkt daher ausdrucklos und lahm. Das klingt also in einem Text so: „Sie beteuerte, Ihre Unschuld beweisen zu können.“

Besser: „Sie beteuert, sie könne ihre Unschuld beweisen.“

Verhindere Sätze mit „zu müssen, zu wollen, zu dürfen, zu gehen“ etc. Und noch schlimmer ist, wenn einem Infinitiv ein zweiter folgt. : „Der Versuch, seine Belustigung zu verbergen, drohte zu scheitern.“

 

Dann das unbewegliche, erstarrte Partizip Perfekt: Ich bin gegangen, sie ist gegangen, wir sind gegangen.

In jeder Form ist es gleich langweilig. Partizipien und Infinitive sind die Sprache der Politiker, Finanzamt, Steuerbehörde, Gesetzbücher etc. Verben werden zu befehlenden, unfreundlichen, unpersönlichen  Substantiven und strengen Partizipien.

Beispiel Amtsprache.

 

Die Modalverben

Es gibt sechs: können, wollen, sollen, mögen, dürfen, müssen.

Oft ermöglichen sie eine genauere Auskunft mit dem Vollverb:

„Meine Tochter läuft jetzt.“

Du: „Na und?“

Also modifiziere ich das Verb und sage: „Meine Tochter kann jetzt laufen.“

Du: „Ach so! Du meinst, dein Sprössling hat gerade seine ersten Schritte getan.“

Der Nachteil: Das Modalverb zieht einen lästigen Infinitiv mit sich. Verwende daher die Modalverben nur spärlich!

Es gib noch weitere Vollverben, welche die Rolle eines Modalverben übernehmen, z.B. : pflegen, brauchen, wissen, stehen etc. Diese Wörter sind an sich harmlose Tätigkeitswörter, jedoch zeigen sie die Neigung, einen Infinitiv mit „zu“ ans sich zu binden: „Sie braucht nur zu sagen.“ „Es steht zu befürchten.“ „Sie weiß es zu würdigen.“

Solche Sätze klingen umständlich und künstlich.

 

Die Hilfsverben

Sein, werden, haben.

Mit Hilfe dieser drei Verben kannst du die verschiedenen Zeitformen bilden. Versuche jedoch, wo immer der Zusammenhang eines Satzes es zulässt, durch ein aussagekräftiges Vollverb zu ersetzen.

Zum Beispiel: „Die Katze schnurrt“, beschwört doch ein viel klareres Bild herauf als nur „Die Katze ist zufrieden.“

 

Das Tempus

Wie weiter oben erwähnt, gibt es sechs davon. Hier nun möchte ich etwas tiefer, aber nicht zu tief, darauf eingehen.

 

Als Autor kannst du den Leser mit den Zeitformen zurück oder nach vorne blicken lassen, oder ihm zeigen, was unmittelbar geschieht.

 

Das Präsens:

In der Litaratur kann das Präsens eine heikle Sache sein und der Autor soll es nur einsetzen, wenn er damit eine bestimmte Wirkung erzielen will, zum Beispiel, um zeitlose Information oder Feststellungen zu liefern. Berichte in Zeitungen und Magazine werden oft im Präsens geschrieben.

Ich habe meinen Roman „Jennys Universum“ im Präsens und in der Ich-Form geschrieben. Das habe ich aus dem Grund gemacht, weil ich dem Leser das Gefühl geben will, Jenny selbst zu sein. Weil Jenny ein sehr starkes Innenleben hat, wirre Gedankengänge hat, sich mit einer inneren Stimme unterhält, Selbstgespräche fühlt und sehr emotionsvoll auf äußere Umstände reagiert, fand ich, dass das Präsens und die Ich-Form die einzig richtige und passende Form für diese Geschichte ist. Dadurch sieht der Leser die Welt von Jenny durch ihre Augen und versteht so ihre Welt besser.

Mit dem Präsens befindet sich der Leser unmittelbar im Geschehen, ist Teil davon. Als Schreiber muss man jedoch aufpassen, dass der Text im Präsens sich nicht wie ein Protokoll oder ein Bericht liest. Die Geschichte will auch hier einfach nur „erzählt“ werden.

 

Das Präteritum:

bezeichnet eine Handlung, die in der Vergangenheit lieg und dort auch abgeschlossen ist.  Beim Reden gebrauchen wir es selten, zum Beispiel nur für kurze Sätze wie: „Ich war einkaufen“, „Ich hatte keine Zeit“, „Was wollte er denn?“, „Das wusste ich nicht.“

Das Präteritum ist jedoch die Zeitform der geschriebenen, gehobenen Erzählung schlechthin. Hier greift der Autor Vergangenes auf, um es dem Leser nahe zu bringen. Das Präteritum vermittelt Nähe und Distanz zugleich. Vergangenes wird aus der Distanz betrachtet.  Es bringt Vorgänge, die in der Vergangenheit spielen, in unser Bewusstsein. Es vermittelt den Eindruck, dass etwas nicht mehr ist und trotzdem noch geschieht, während wir lesen. Wir schweben in unserer Fantasie. Momentane Eindrücke werden zu der Impression des Erlebten.

 

Das Perfekt

drückt ein vergangenes Ereignis aus, das noch in die Gegenwart hineinwirkt: „Du hast mir ja gar nicht zugehört“, schimpft die Mutter mit dem Sohn.

Die Folgen der vergangenen Unaufmerksamkeit des Kindes betrifft die Mutter noch immer in der Gegenwart.  Das Perfekt vermittelt die Betroffenheit des Sprechers. In dieser Zeitform kann der Autor Vergangenes loben: „Es hat großartig geschmeckt.“

                          verurteilen: „Dieses Buch hat mir überhaupt nicht gefallen.“

                        bekennen: „Ich habe Mist gebaut, ich weiß.“

                        Verteidigen: „Das habe ich nicht gewußt.“

 

Das Perfekt verbündet sich mit der Gegenwart, wobei das Präteritum das Geschehen von der Gegenwart trennt.

 

Das Plusquamperfekt:

die Vorvergangenheit, erkläre ich hier gleich mit einem Beispiel: „In der Morgenfrühe stand Tanja vor der Ladentüre und kramte in der Tasche, aber sie konnte den Schlüssel nicht finden. (Bis hierhin Präteritum). Sie hatte ihn wohl zuhause vergessen, weil sie spät dran und so in Eile gewesen war. (Plusquamperfekt)

 

Hier ist klar, dass die Haupthandlung in der Morgenfrühe beginnt. Der Hinweis auf das Geschehnis bevor dieser Morgenfrühe dient nur dazu, die Szene abzurunden.

Da Plusquamperfekt dient auch als Rückblende, jedoch wird es dabei sehr sperrig. Wenn der Autor in jedem Satz „hat“ und „hatte“ wiederholt, wird das sehr lästig:

„Laut schnäuzte sie ins Taschentuch. Warum bloß hatte er nicht auf sie gehört? Immer hatte sie Hans gesagt, dass er die Sicherheitsgurte anlegen soll. Aber jedes Mal hatte er gelacht und ihre Bitte mit einem Schulterzucken weggeschlagen. „Ich weiß, wie man Auto fährt. Mir passiert schon nichts“, hatte er dann immer gesagt. Hans hatte immer gedacht, dass der Tod für ihn nicht gilt.“

 

Zum Glück gibt es da einen wunderbaren Kunstgriff. Die Aufgabe des Plusquamperfekt ist es, ein Zeitverhältnis einzurichten. Wenn es das getan hat, kann es wegfallen. Das heißt, die Rückblende beginnt im Plusquamperfekt, damit der Leser versteht, dass das Geschehene sich vor der eigentlichen Handlung zugetragen hat. Wenn sich diese Rückblende also in die Länge zieht, so fügt Autor einfach einen Absatz ein und macht sich dem Präteritum wieder dienlich:

(Präteritum): Laut schnäuzte sie ins Taschentuch. (Plusquamperfekt): Warum bloß hatte er nicht auf sie gehört?

(Nach dem ersten Plusquamperfekt ein Absatz, um das Präteritum wieder einzuleiten): Immer und immer wieder sagte sie Hans, dass er die Sicherheitsgurte anlegen soll. Aber jedes Mal lachte er und schlug ihre Bitte mit einem Schulterzucken ab. „Ich weiß, wie man Auto fährt. Mir passiert schon nichts“, war seine übliche Antwort.

(Und mit einem Absatz zurück ins Plusquamperfekt, um die Rückblende abzuschließen): Hans hatte immer gedacht, dass der Tod für ihn nicht gilt.

 

Dieser schriftstellerische Kniff darfst du nicht unüberlegt anwenden. Rechtfertigt die Ausdehnung der Rückblende diese Methode? Und du musst das Gespür dafür haben, wo die Trennwand zwischen Präteritum und Plusquamperfekt am besten passt bzw. logisch ist. Der Schwenk muss dem Leser natürlich erscheinen und darf ihn nicht verwirren, wo wann was und warum passiert.

 

Das Futur I:

verwenden wir, um ein Geschehen in der Zukunft zu schildern. Jedoch kannst du im manchen Fällen das Präsens anstelle des Futurs verwenden: „Anfang März reisen wir nach Kanada.“ „Das Haus streiche ich, wenn ich aus den Ferien zurück bin.“ In diesen beiden Fällen weist die Zeitangabe ohnehin auf die Zukunft hin bzw. ein künftiges Ereignisse wird ganz sicher geschehen, deshalb macht hier das Präsens Sinn.

Außer, die Zukunft vorauszusagen hat es noch eine andere Aufgabe: Es kriegt einen Auftritt in Befehlen und Vermutungen: „Unmöglich, du wirst dich wohl irren.“ „Meine Mutter geht nicht ans Telefon, sie wird wohl unter der Dusche sein.“  „Wirst du jetzt schlafen gehen!“ „Wirst du nun endlich mit dem Unsinn aufhören!?“

 

Das Futur II:

spricht von einem abgeschlossenen Geschehen, das noch nicht stattgefunden hat: In einer Stunde wird der Zug abgefahren sein, dann ist es zu spät.“

Oder es beschreibt ein Geschehen, das im Sinne einer Vermutung vollständig abgeschlossen ist: „Er wird den Anruf wohl nicht erhalten haben, ansonsten wäre er nicht so mies gelaunt.“

 

Die beiden Futurformen sind eher selten und eher umständlich. Anstelle des Futur I können wir das Präsens mit einer Zeitangabe verwenden: „Morgen gehe ich nicht zur Arbeit (klingt genauso logisch wie: „Morgen werde ich nicht zur Arbeit gehen“).

Eine Vermutung kann mit einem Adverb ersetzt werden wie: wahrscheinlich, sicherlich, bestimmt etc.

Das Futur II kannst du mit einem Perfekt ausdrücken. Das erspart eine grausige Anhäufung von Hilfsverben: „Morgen um diese Zeit habe ich die Prüfung hoffentlich bestanden.“ (Anstatt: „Morgen um diese Zeit werde ich die Prüfung hoffentlich bestanden haben.“)

 

 

 

Meine drei Favoriten fürs Schreiben-lernen

Tip Nr. 12

 

 

GRAMMATIK FüR DIE EINGEROSTETEN - TEIL 2

 

Das beliebte Substantiv

 

Als erstes möchte ich hier etwas tiefer auf das Substantiv (Hauptwort oder Nennwort) eingehen, denn ich liebe diese Form! Sie birgt so viele Möglichkeiten, so viele Aussageweisen. Es lässt sich nämlich nach Genus (Geschlecht), Numerus (Zahl) und Kasus (Fall) bestimmen. Der Artikel, der meistens mit dem Substantiv einhergeht, verrät einem, ob das Nennwort

  1. maskulin, feminin oder neutral ist (männlich, weiblich, sachlich)

  2. ob es im Singular oder im Plural steht (Einzahl oder Mehrzahl)

  3. ob es sich im Nominativ (Werfall), Genitiv (Wesfall), Dativ (Wemfall) oder Akkusativ (Wenfall) zeigt

 

Hierfür eine erleichterte Übersicht:

 

                        Singular                    Singular                     Singular                      Plural                                                                                     

                      Maskulin                     Feminin                      Neutrum

 

Nominativ:     der Stuhl                     die Tür                        das Buch                     die Bücher

 

Genitiv:           des Stuhles                 der Tür                       des Buches                 der Bücher

 

Dativ:              dem Stuhl                   der Tür                       dem Buch                   den Büchern

 

Akkusativ:       den Stuhl                     die Tür                        das Buch                    die Bücher

 

 

 

Doch wie kann ein Substantiv den Schreibstil eines Autors beeinflussen?

 

Das Substantiv und das Verb gehen oft Hand in Hand. Erst, wenn sich „bellen“, „weinen“ und „fliegen“ mit „Hund“, „Kind“ und „Adler“ vereinen, machen die Tätigkeitswörter eine Aussage. Substantive wirken in Bildern, und diese sind so stark, dass sie in das Verb hineinwirken. Wenn wir zum Beispiel das Wort „knistern“ hören bzw. lesen, dann kommt uns sofort ein gemütliches Kaminfeuer in den Sinn, oder Feuerwerkskörper. Das Substantiv gibt ein jeglichem Ding in dieser Welt einen Namen, ein Bild, so dass wir es begreifen und einordnen können. Deshalb auch die Bezeichnung Nomen.

Die Substantive werden in Konkreta und Abstrakta eingeteilt.

Ein Konkreta bezeichnet Gegenstände, also Dinge, wir sehen und Berühren können: Die Schaukel, die Pfanne, das Fahrrad. Es verleiht dem Text Farbe und Bildhaftigkeit.

Das Abstrakta bezeichnet folglich etwas Nicht-Gegenständliches, etwas Gedachtes, zum Beispiel, oder ein Gefühl. Hoffnung, Traum und Schmerz können wir nicht greifen, und doch ist es ein Substantiv. Daher wird es als abstraktes Substantiv bezeichnet. Es verleiht dem Text Stimmung.

So, und jetzt wird’s richtig kompliziert, denn Konkreta und Abstrakta werden noch einmal unterteil, und zwar so:

Konkreta: 1. Eigennamen bzw. Dinge, die so, wie sie sind, nur einmal vorkommen (Janine, Kanada, Rhein,

                     Tolkien)

2. Gattungsnamen bzw. Lebewesen oder Dinge, die zu einer Gruppe mit gleichen Eigenschaften         gehören und die Gattungsnamen unterteilen sich noch einmal in Sammelnamen (Tiere, Früchte, Werkzeuge, Menschen) und Stoffnamen (Wasser, Silber, Stein).

 

Abstrakta: 1. Er bezeichnet Zustände und Vorgänge (Durst, Wanderung, Mittagspause)

                  2. benennt Urteile (Wahrheit – Lüge, Ehrlichkeit – Betrug)

                  3. zeigt Merkmale (Dunkelheit – Helligkeit, Dünne – Dicke)

      4. Es übernimmt die Rolle eines Adjektivs oder eines Verbs (Bemühungen von „sich bemühen“,    Sichtung von „etwas sichten“)

 

Ein wichtiges Merkmal des Abstrakta ist, dass es sich nicht gerne in die Mehrzahl zwingen lässt. Aus „Unglück“ wird niemals „Unglücke“, „Dunkelheiten“, tönt schlampig.

 

Das Substantiv ist die umfassendste und am meisten verwendete Wortart und es hat allen anderen noch etwas voraus: Es macht eine ganz klare Aussage. Lesen wir das Wort „heiß“, so können uns verschiedene Bilder in den Sinn kommen: frisch gebrauter Kaffee, ein loderndes Feuer oder ein gutaussehender Mann ;-). Doch das einhergehende Substantiv „Hitze“ ist dabei viel klarer, unabhängiger, verbindlicher.

 

Doch so schön wir das Substantiv finden, so gefährlich und sperrig kann es sein. Sie zeigen große Willigkeit, sich mit anderen Wörtern zu verbinden. Diese nennen wir Komposita oder zusammengesetzte Wörter. Viele Schreiber lieben es, Begriffswörter in Monstren zu verwandeln und es dem Leser schwer machen, den Sinn zu verstehen: Aufsichtsratsmitgliederversammlung, Vaterschaftsfeststellungsverfahren

Das ist einfach nur grässlich und missbraucht die tolle Eigenschaft des Nomens, ein Komposita zu werden: Fingerring, Blumenbeet, Sternenhimmel, Rosenstrauß – das sind zusammengefügte Substantive, die das Bild noch intensiver machen.

Daher sei also Vorsicht geboten mit Substantiven die mit -ung, -heit und -keit enden. Hier handelt es sich meistens um Abstrakta. Auch die Nachsilben -schaft, -nis, -sal und -tum können ein Nennwort kopflastig machen. Kurze Hauptwörter sind die anschaulichsten.

Dann gibt es noch die Nachsilben -chen und -lein, womit wir das Diminutiv, die Verkleinerungsform bilden können. Damit kann der Schreiber ein Lebewesen oder ein Ding als klein darstellen, ohne jenes Adjektiv verwenden zu müssen, oder wir beschreiben damit Geschöpfe, die wie als lieb oder hilflos empfinden: Das Kätzchen, das Mütterchen, das Kindlein, Engelchen. Jedoch sollten wir das Diminutiv nur sporadisch einsetzen, wenn es wirklich so gemeint ist, denn die Verkleinerungsform schwächt ab, beschwichtigt oder macht ironische Anspielungen.

Nachsilben zeugen nicht immer von einem schlechten Schreibstil, die Vorsilben (Präfix) aber meistens schon. Das ist besonders bei Substantivierungen mit Präpositionen der Fall: Inangriffnahme, Vorbescheid, Umschulungsunterstützung, Inkraftsetzung, Beeinträchtigung, Rechtsausübung (einfach grässlich!)

Daher sollten wir uns folgenden Rat zu Herzen nehmen: Schreibe mit kurzen, bildlichen Wörter und nenne die Dinge beim richtigen Namen!

Und zum Schluss zitiere ich hierzu Wolf Schneider aus seinem Buch „Deutsch fürs Leben“:

Es sind die uralten Einsilber, in denen die Grundtatsachen unseres Leben und unsere stärksten Gefühle eingefangen sind: Kopf und Fuß, Haus und Hof, Geld und Geiz, Hass und Neid, Wut und Gier, Glück und Pech, Angst und Qual, Not und Not. Wer Großviehbestände schreibt, obwohl er nichts meint als Rind und Pferd, sollte sich im Landwirtschaftsministerium bewerben.“

 

Schöner und besser kann man den Wert der Substantive nicht beschreiben!

 

Der Artikel – Freund und Helfer des Substantiv

 

Es gibt drei bestimmte und zwei unbestimmte Artikel, auch Geschlechtswörter genannt: der, die, das und ein, eine.

Der Artikel hebt etwas Einzelnes, etwas Bestimmtes aus der Masse hervor, umgrenzt und bestimmt es. „Wind blies durch das Fenster.“ Hier hebt der Artikel „das“ ein bestimmtes Fenster von den übrigen Fenstern des Hauses ab, rückt es in Szene. Denn hier wird bald was passieren. Daher muss von diesem Fenster bis hierher bereits die Rede gewesen sein oder es folgt unmittelbar eine nähere Bestimmung: „Der Wind blies durch das offene Fenster, wo ein drei Meter hohes Kartenhaus stand.“

Der Artikel kann auch eine Zeigefunktion haben: „Der Mann dort.“ „Das Buch da.“ Oder: „Professor Dingsbums ist heute der Fachmann der Quantenphysik.“ Das kleine Wörtchen „der“ und dabei ins kursiv gesetzt, teilt mit, dass niemand außer Professor Dingsbums für die Nominierung des Nobelpreises in Frage kommt.

 

Dann zum unbestimmten Artikel. Er stammt vom Zahlwort ab und hat daher oft eine numerische Funktion: „Plötzlich rannte ein Kind auf die Straße.“ Gemeint sind hier zwei Dinge: Es handelt sich um ein einzelnes Kind, und es handelt sich um kein bestimmtes Kind (vielleicht noch nicht?) Der unbestimmte Artikel vereinzelt also noch nachdrücklicher als der bestimmte Artikel, setzt aber nicht voraus, dass wir von diesem einem Kind bereits etwas wissen.

Dann zu den Substantiven ohne Artikel, welche auch sehr beliebt sind. Wenn die Bestimmung eines Substantivs sich erübrigt, können wir auf den Artikel verzichten: „Auf der Wiese grasten Kühe.“ Hier ist klar, dass die Kühe im Moment nur als Hintergrundbild dienen. Das Substantiv wirkt ohne den Artikel eine größere Kraft auf das Bild aus: „Rache ist süß.“ „Mit Kind und Kegel.“ „Mit Müh und Not.“ Viele Redewendungen und Sprichwörter machen sich diese Wirkung zu Nutze.

Und zum Schluss dieser Lektion, merke dir: In der geschriebenen Sprache ist nichts ohne Bedeutung! Das noch so kleinste Element, wie zum Beispiel der Artikel, muss eine Bedeutung im Text haben und soll richtig eingesetzt werden!

 

Das Pronomen

 

Nehmen wir es auseinander und übersetzen es ins Deutsche, dann heißt es: Für-Namen, jedoch korrekt: Für-Wort. Es begleitet und vertritt also das Nomen und müssen dank ihm, ein bestimmtes Hauptwort nicht ständig wiederholen: „Der Wein ist rosig und süß. Er stammt  aus dem Jahr 1996.“ Er ersetzt das Wort Wein. Doch das Pronomen kann nicht nur das, es kann das Nomen auch begleitet, in der Art und Weise wie ein Artikel: „Dieser Wein schenkt Ihrem Gaumen ein rosig-süßen Geschmack.“

 

Die Gruppen der Pronomen haben im Deutsch weniger als 100 Wörter und sie existieren in sechs Arten:

  1. Das Personalpronomen (oder persönliches Fürwort), die stellvertretend eine Person oder eine Sache bezeichnen.

  2. Das Possessivpronomen (oder besitzanzeigendes Fürwort), bestimmt einen Eigentum, eine Zugehörigkeit.

  3. Das Demonstrativpronomen (oder das hinweisende Fürwort), gibt eine Orts-oder Zeitverhältnis an

  4. Das Relativpronomen ((oder bezügliches Fürwort), beziehen eine Aussage auf ein Hauptwort: der, die, das, welcher, welche, welcher, wer, was

  5. Das Interrogativpronomen, (oder Fragefürwort), fragen nach etwas: Wer? Was? Welcher? Welches? Was für ein?

  6. Das Indefinitpronomen (oder unbestimmtes Fürwort), vertreten eine nicht näher bestimmte Person oder ein Ding: man, niemand, jedermann, jemand, etwas, nichts.

 

Das Personalpronomen, das persönliche Fürwort zeigt, wie wir die Dine sehen bzw. betrachten und was für eine Beziehung wir zu ihnen haben: Diese lauten:

 

Im Nominativ: ich, du, er, sie, es, wir, ihr/sie

Genitiv: meiner, deiner, seiner/ihrer/seiner, unser, eurer/ihrer

Dativ: mir, dir, ihm/ihr/ihm, uns, euch/ihnen

Akkusativ: mich, dich, ihn/sie/es, uns, euch/sie

 

Ein Autor, der in der Ich-Form schreibt, sollte darauf achten, sich selbst als Erzähler nicht zu aufdringlich in den Vordergrund zu stellen. Stattessen wird das Erzählen in der Ich-Form zu einem Selbstgespräch, ja gar ei Zwiegespräch. Dabei kann der Ich-Erzählende auch mal sich selbst im „Du“ ansprechen, zum Beispiel so: „Tja, das hast du nun davon, Tanja Meier. Hättest eben auf deine Mutter hören sollen! Man hat wieder mal nichts gelernt.“

 

Der Schreiber kann anstelle des „Du“, auch ein „man“ setzen, je nachdem, was für eine Wirkung er erzielen will. In der klassischen Literatur wurde der Leser vom Autor oft direkt angesprochen, zum Beispiel so: „Der Lärm des Gefechts war endlich verstummt, doch das Schreien, Weinen und Grunzen der Verletzten ging weiter. Ich lag am Rande des Schlachtfeldes, mit den Gedärmen neben mir liegend und tagträumte von dem Apfelkuchen meiner Mutter – wie Apfel und Sauce aus dem Teig quellen wie du ein Stück mit der Gabel abschneidest. (Tschuldigung für das eklige Beispiel, aber das ist mir gerade spontan in den Sinn gekommen.) 

 

Nun widme ich einen Absatz dem kleinen, etwas schwierigen Wort „es“. Wie die Fürwörter „sie/er“, vertritt es ein vorangegangenes neutrales Subjekt, doch es sträubt sich, sich in eine Präposition zu zwängen: „Anna betrachtete das Pferd. Es war ein alter, ausgehungerter Klepper, doch der Verkäufer fand immer neue Lobpreisungen für es.“ Das zweite „es“ am Schluss klingt unschön und stört den Rhythmus des Satzes. Stattdessen umschreiben wir es lieber: „… doch der Verkäufer fand immer neue Lobpreisungen für das Tier.“

 

Dann gibt es die mehrdeutigen persönlichen Fürwörter, die den Autor in Schwierigkeiten und dem Leser Verwirrung bringen können: „Meine Nachbarin stelle mich ihrer Schwester vor. Sie war gerade von einem Nickerchen aufgewacht.“ Ja wer genau ist denn hier gemeint? Die Nachbarin oder die Schwester? Die Lösung bringt ein Nebensatz, den wir an das umstrittene Objekt anhängen können: „Meine Nachbarin machte mich mit ihrer Schwester, die gerade von einem Nickerchen aufgewacht war, bekannt.“

 

„Die Stadt New York, berühmt durch ihre Hochhäuser und Freiheitsstatue …“ Hier müssen wir „ihre“ wiederholen, weil die Hochhäuser und die Freiheitsstatue nicht denselben Numeros teilen, sie stehen im Plural und Singular. Würde das Beispiel von zwei Objekten im Plural erzählen, würde sie der Grammatik-Experte nicht die Haare rauen: „Die Stadt New York, berühmt durch ihre Hochhäuser und Taxis …“

 

„Ihr habt euch nie etwas gegönnt, aber immer hilfsbereit gezeigt.“ Was tönt hier nicht richtig? Das erste „euch“ steht im Dativ (Wem-Fall), das „euch“ im Nebensatz wird aber im Akkusativ (Wen-Fall) verlangt. Deshalb muss es wiederholt werden: „Ihr habt euch nie etwas gegönnt, euch aber immer hilfsbereit gezeigt.“

 

Das Reflexivpronomen:

 

Für sorge

Ich für mich

Du für dich

Er für sich

Wir für uns

Ihr für euch

Jeder für sich

 

Aus „Wort-wörtlich, Deutsch für die Mittelstufe“ von Burckhard Garbe

 

Das Possessivpronomen

 

Mein und dein, unser und euer, sein und ihr – klingt ganz einfach, oder? Es sei denn, wir kratzen uns am Kopf und denken: Soll ich das im Dativ (Wemfall) oder im Genitiv (Wesfall) schreiben? „Das Auto meines Vaters“ oder „Das Auto von meinem Vater?“

In der geschriebenen Sprache sollten wir auf die Konstruktion „von“ mit dem Dativ verzichten. Bedenken wir jedoch, dass der dritte Fall – der Dativ – sich nicht immer völlig gegen das Possessivpronomen verschwört. Wenn wir die beiden also dennoch vereinen, dann ist es ein „freier Dativ“ und dadurch hilft er, die Menschen ins Rampenlicht zu rücken. „Er küsste ihrer Großmutter die Hand“, klingt wärmer, näher und persönlicher als „Er küsste ihre Hand“ oder „Er küsste die Hand seiner Großmutter.“

So bekundet das besitzanzeigende Fürwort nicht nur eine nüchterne Feststellung, wem etwas gehört, sondern zeigt Beziehungen mit Gefühl und Schattierung.

 

Das Demonstrativpronomen:

 

Bin ich hier oder dort?

Diese Pronomen verleihen einem Substantiv einen besonderen Nachdruck. Sie weisen auf eine Person oder auf eine Sache, die entweder schon bekannt ist oder gleich darauf näher beschrieben bzw. bezeichnet wird.

 

Maskulin                     Feminin                      Neutrum                      Plural

 

Der                              die                               das                              die

Dieser                         diese                            dieses                          diese

Jener                           jene                             jenes                            jene

Derselbe                      dieselbe                       dasselbe                      dieselbe

Solcher                        solche                          solches                        solche

Derjenige                    diejenige                     dasjenige                     diejenigen

 

„Glaube dem kein Wort!“, gebrauchen wir das Demonstrativpronomen in der Alltagssprache, oder: „Der

 hat ja heute miese Laune!“

„Das blitzt und donnert!“ Hier ist „das“ ein Subjekt eines unpersönlichen Verbs.

„Schau mal der Mann dort drüben, Gretchen! Das ist ein Feuerwehrmann im Einsatz“ oder „Gefallen dir diese Stühle? Das sind antike Stücke.“ Diese DP verweisen auf Dinge oder Leute, die ein anderes Geschlecht haben.

Dieser, diese, dieses gebraucht ein Autor, wenn ein etwas einen besonderen Nachdruck verlangt. „An dieses Fest erinnere ich mich nach all den Jahren noch.“ Jedoch ist der folgende Satz mit einem unnötigen Demonstrativpronomen ausgestattet: „Es war einmal eine Königin, diese hatte drei Töchter.“ Hier genügt „… die hatte drei Töchter.“

Anstelle von „dieses“ können wir aus „dies“ schreiben: „Mir gefiel sein Manuskript nicht und ich sagte ihm dies.“ Verwende aber „dieses“ niemals als Subjekt, denn das ist schlechtes Deutsch: „Die Verfasserin dieses gestattet sich, darauf hinzuweisen, dass gutes Deutsch schweres Deutsch ist.“

Das Demonstrativpronomen birgt noch mehr Magie in sich: Wenn wir es als charakterisierend, anstatt als hinweisend verwenden. Was ich damit meine? Dass sie so wie negativ betonende Anführungszeichen wirken! Misstrauen, Unbehagen oder Abneigung heben sich gegenüber einer Person oder einer Sache hervor: „Dieser Bengel hat schon wieder mein Küchenfenster eingeschlagen.“ Der Satz sagt aus, dass derselbe Junge schon öfters Unannehmlichkeiten bereitet hat. „Oh, dieser Schmerz und diese Trauer, ein ungeheures Gewicht für das gebrochene Herz zu tragen! All die Tränen, diese brennend heiß auf meiner Wange… „

Hier deuten die Demonstrativpronomen weder auf Vergangenes hin, noch folgt ihnen eine Erläuterung. Das wäre unnötig, denn so ziemlich jedem Menschen ist mindestens einmal das Herz auf die eine oder andere Weise gebrochen worden. Wie sich das anfühlt, wissen wir, das muss nicht näher erklärt werden, auch deshalb, weil – so nehme ich an – jeder Mensch Schmerz, Trauer und Verlust auf seine ganz eigene Weise wahrnimmt und durchlebt. Dadurch, dass ich in diesen Sätzen die DP benutze, verleibe ich meinem Gejammer noch mehr Drama ein. Oder nicht?

 

Und dann die schönen Wörter „dieser“ und „jener“

Meistens treten die beiden Wörter als ein Paar auf. Hierzu gilt die Regel: „dieser“ zeigt auf das Näherliegende, „jener“ auf das Entferntere. Diese Unterscheidung gilt im räumlichen wie im zeitlichen Sinn. So stehe ich „diesseits der Straße“, meine aber den Buchladen auf der anderen Seite der Straße, wenn ich „jenseitigen Buchladen“ schreibe.

„Jener“ kann auch einen Solo-Auftritt haben. Es spricht dann meistens von einem größeren Abstand zum Beschriebenen, zielt in eine weitere Ferne und es erreicht dadurch einen großen Hörerkreis. „Jener, jene, jenes“, ruft verbindende Erlebnisse wach, bildet Ansichten und Einsichten, die einzelne Menschen oder eine Gruppe von Menschen teilen: „Jenes sorgenlose Lachen, zu dem nur Kinder fähig sind …“ „Jene Dreistigkeit, mit der Politiker ihre Wähler anlügen …“ Solche Formulierungen setzen beim Leser eigene Erfahrungen voraus. Doch dürfen wir dieses Stilmittel nicht zu oft verwenden, weil es schnell abstumpft, schlägt falsche Töne an oder verleiht einfachen Feststellungen zu viel Kraft.

 

Adjektive und Adverbien

 

Auch Beiwörter, Eigenschaftswörter und Einschränkungswörter genannt und sie haben drei Merkmale:

 

  1. Sie bezeichnen die Eigenschaft eines Hauptworts bzw. Zeitworts

  2. Sie stehen beim Hauptwort bzw. Zeitwort

  3. Sie dienen zur näheren Bestimmung eines Wortes oder einer Wortgruppe

 

Aber was genau unterscheidet die beiden voneinander? Ganz einfach: Ein Eigenschaftswort, das vor einem Subjekt steht, nennt sich Adjektiv und es lässt sich deklinieren: ein alter Mann, eine alte Frau, ein junges Mädchen).

Steht ein Eigenschaftsort beim Verb, so nennt es sich Adverb oder auch Umstandswort. Das deshalb, weil es den Nebenumstand einer Tätigkeit oder einer Eigenschaft beschreibt: Er schloss leise die Tür. Leise lässt sich nicht deklinieren.

 

Und hier möchte ich jedem Autor ans Herz legen: Hüte dich vor den Eigenschaftswörtern! Zuviel davon ist störend, hässlich, falsch, unnütz, überschätzt (und schon mache ich mich dieses Verbrechens selbst schuldig). Besonders, was die Adjektive betrifft. Bei der Überarbeitung können wir oft zwei von drei Adjektiven terminieren. Besonders, was die verschwommenen, schmückenden, ja gar nichtssagenden Beiwörter: Schneeweiße Wolken, grünes Gras, ein blauer Himmel, süßer Honig, eine winterlich weiße Schneelandschaft etc. Sie sind unnötig, weil sie Selbstverständliches ausdrücken. Überflüssige Adjektive kommen mir immer wie Unkraut vor, das von der Faulheit des Autors zeugt, Dinge, Personen, Umstände etc. ins Szene zu rücken, sie agieren zu lassen und beim richtigen Namen zu nennen, sie lebhaft zu beschreiben.

Doch das Adjektiv ist nicht nur böse. Es hat durchaus seinen Zweck, zum Beispiel, wenn es um ein charakterisierendes Merkmal einer Person oder Sache geht: Ein „kahler Baum“ ist etwas ganz Anderes als ein „dichtbelaubter Baum.“ Wobei „schöne Augen“ einfach nur lasch und nichtssagend ist. „gutmütige, helle Augen“ trifft es da schon genauer. Und es macht einen Unterschied, ob ich „diese dünne Katze“ oder „diese bis auf das Knochenmark ausgehungerte Katze“ schreibe.

Zum Vergleich drei Sätze:

  • „Ein Lächeln erhellte seine strengen Züge.“ Kein überflüssiges Adjektiv, da „ein Lächeln“ und „streng“ einen Kontrast, eine Veränderung sichtbar machen, die wesentlich scheint und zur Charakterisierung der Person dient.

  • „Ein zartes Lächeln erhellte ihre schönen Züge.“ Zu viel! Nicht wahr? Ein Lächeln ist doch schon etwas zartes und das Wort „schön“ trägt kaum was zur Charakterisierung bei.

  • „Ein zartes Lächeln umspielte, wie liebliches Morgenlicht eine blühende Wiese, ihre weiblichen Züge.“ Schrecklicher Kitsch! Keine weiteren Erläuterungen nötig.

 

Die Adverbien sind da etwas weniger empfindlich. Das Verb kann durch das Beiwort verstärkt werden. „Sie kam auf mich zu“ ist nicht so bildkräftig wie: „Zögernd kam sie auf mich zu.“

„Er klopfte an die Tür“ ist farbloser als „Er klopfte wütend an die Tür.“ (Es versteht sich, dass der Klopfende wegen irgendetwas aufgebracht ist ;-)

 

Doch auch bei den Adverbien müssen wir uns merken, dass weniger mehr ist! „Das ist doch die Unmöglichkeit!“, schrie er sehr zornig – beide Adverbien sind überflüssig, denn die Worte des Mannes sprechen bereits von Zorn, dass er schreit, können wir uns auch denken, wobei auch das Ausrufezeichen mithilft.

Die Beiwörter sehr, äußerst, unerhört, überaus, maßlos, höchst usw. verstärken zwar die beiden A`s, aber auch diese sollten wir bedacht und sparsam einsetzen.

 

Die Präpositionen – Kleine Worte mit großer Wirkung

 

Die Präpositionen, auch Verhältniswort genannt, zeigen zeitliche und örtliche Verhältnisse, sprechen von Gründen und Beziehungen. Die Präpositionen lauten: an, seit, in, während, trotz, mit, wegen, nach, ins, über, aus etc. In welcher Beziehung stehen zwei Dinge zueinander, das erzählen uns diese kleinen, jedoch so wunderbaren Wörter.

Örtlich: „Die Weinflasche auf dem Tisch.“ „Die Wohnung im obersten Stock.“ „Das Auto zwischen den beiden Lastwagen.“

Zeitlich: „Kommt er vor oder nach dem Essen?“ „Während des Schulunterrichts schwätzten wir.“

Gründe: „Wegen eines Staus auf der A5.“ „Auf Grund hoher Steuern.“

Beziehungen knüpfen: „mit den Eltern.“ „Für ihre Kinder.“

Oder Beziehungen ausschließen: „Trotz schlechter Noten.“ „ohne Bedenken.“ „Statt vieler Worte.“

 

Die Präpositionen verleihen einem Text Form und Farbe und dienen als Sprachmittel. Ein Beispiel: „Wie überrascht war ich, als er mich mit offenen Armen empfing.“ Vielfältiger wird der Satz, wenn wir zwei weitere Präpositionen einfügen: „Wie überrascht war ich, als sie mich am nächsten Morgen trotz des heftigen Streits mit offenen Armen empfing.“

 

Vor allem Journalisten lieben die Präpositionen, weil sie kurz und bündig die Fragen „Was? Wer? Wann? Wo und wie?“ beantworten. Jedoch stolpern wir in Pressetexten manchmal über ziemlich lächerliche Präpositions-Montage:

„Der von seinem Auftraggeber in London gefälschten Akten auf den Namen Schuhmacher ausgestattete Agent hatte bei seiner Übernachtung im Hotel Notizen liegen lassen, die vom Zimmermädchen am folgenden Tag beim Putzen gefunden wurden.“

 

Wie bei allen bisher besprochenen Wortarten gilt auch hier: Vermeide eine unnötige Anhäufung von Präpositionen, denn wie diese Wortart einen guten Stil ausmachen können, können sie ihn bei kühner Anwendung auch verpfuschen. Denke beim Schreiben immer an den Leser und halte die Texte lesbar!

 

Die Präpositionen haben noch eine weitere Fähigkeit: Sie können sich nicht nur mit einem Hauptwort verbinden, sondern auch mit einem Verb bzw. Zeitwort und hierbei kommt es zu einem wirkungsvollen Zusammenspiel: Abnehmen, aufklingen, herzeigen, überreden …

Hier haben sich die Präpos aus Vorsilben getarnt und geben dem Verb dadurch vielfältige Bedeutungsnuancen. Und wenn wir nun das Satzgefüge auseinandernehmen, macht es einen Satz geschmeidiger: „So holte sie alles, war sie während ihres Kampfes mit dem Krebs versäumte, in vollen Zügen nach.“

Durch die Trennung des Wortpaares nach-holen, entsteht ein Spannungsbogen. Diesen Effekt können wir dank der Beweglichkeit des Verhältniswortes einsetzen. Aber auch hier gilt Vorsicht, lieber Schreiber! Die eingeschobenen Satzteile dürfen nicht so lang sein, dass der Leser den Faden verliert, sprich: Keine Macht den Schachtelsätzen!

 

Die Konjunktionen – auch Bindewörter genannt

 

Unsere schöne Deutsche Sprache wäre eintönig ohne diese Wortart. Sie finden dort Einsatz, wo wir Haupt- und Nebensätze, Satzglieder oder einzelne Wörter verbinden. Sie treten in vielen verschiedenen Funktionen auf:

Begründungen – da, weil, denn, daher, demnach

Zeitverhältnis - während, als bevor, nachdem

Zusammengehörigkeit - und auch, oder, sowie

Bedingung - wenn, falls, sofern

Vergleich – als, als ob, so, wie

Absicht – damit

Gegensatz -  obwohl, wenngleich, wie auch immer

 

Die Grammatik teilt die Konjunktionen in Gruppen unter:

 

Die nebenordnenden Konjunktionen: und, auch, aber, doch, denn, da, daher, jedoch, sonst, demnach, besonders, dann etc.

Die Doppelkonjuktionen: dadurch, dass, nichts als, insofern als, nicht anders als, so … wie, sondern auch, sowohl … als auch etc.

Die unterordnenden Konjunktionen: obgleich, obwohl, obschon, wenngleich, wiewohl, wie auch immer, ob auch immer, dass, damit weil, wenn etc.

 

Von den unterordnenden Bindewörter geht eine besonders große Wirkung aus, weil sie oft eine Überraschung mit sich bringen: „Er stellte wie immer sein mildes Lächeln zur Schau, obgleich er sich innerlich wie tot fühlte.“

Oder: „Er bewahrte die Hoffnung, wie schlecht es auch um seine Finanzen stand.“

Noch ein Parade-Beispiel: „Thomas setzte sich. Gabi stand auf. Sie schaute sich nicht um. Sie ging zum Fenster. Sie weinte.“ Eine trockene Symphonie ohne Rhythmus und Klang, ohne logischen Verknüpfungen. Nun schau mal, welch Magie die Bindewörter hier wirken: „Als Thomas sich setzte, stand Gabi auf und ging, ohne sich umzuschauen, zum Fenster, denn er sollte nicht sehen, dass sie weinte.“

 

Mit Hilfe der Konjunktionen kann der Autor Teile eines Vorgangs, eines Gedankens oder einer Situation sinnvoll verbinden und zu einer harmonischen Einheit verschmelzen.